Bertha pflegte diese Ermahnungen nur mit einem verachtungsvollen: „Weeß ich alleene!“ zu beantworten.

Ja, als der Doktor einmal krank war und sich recht verlassen und elend fühlte, allein in seinem Hause mit einer bäuerlichen Aufwärterin, hatte Frau von Birken ihm täglich alle Mahlzeiten hinausgeschickt und sich, was die Menüs anbetraf, geradezu selbst überboten.

Daß ihre Gefühle nicht nur im Materiellen wurzelten, bewies sie sowohl durch die Blumensträuße, die sie den nahrhaften Gaben beifügte, als auch durch die ausgewählten Büchersendungen.

Ja, sie war schon eine liebe Frau.

Und sie blieb sich gleich.

Man konnte kein Aelter-, kein Reiferwerden an ihr konstatieren.

Sie hatte ihre backfischhafte Koketterie noch, als die Kinder heranwuchsen, als Alfred schon ein großer Quintaner war und Monika schon den Trojanischen Krieg in unleugbar talentvollen Versen besang.

Ja, Monika! — Die war wohl des Doktors reinste Freude gewesen. Die anbetende Bewunderung und das grenzenlose Vertrauen, das sie ihm entgegenbrachte, ihr glühendes Miterleben, wenn er ihr von den uralten Märchen der Menschheit sprach, wenn sie bittere Tränen vergoß um das Schicksal des männermordenden Peliden oder selig strahlte über eine gelungene List des edlen Dulders Odysseus.

Mit der Freude, die ein Gärtner hat, wenn an einer von ihm gezogenen Pflanze eine neue Knospe sprießt, war er ihrer Entwicklung gefolgt.