„Ich denke, Mariechen, als Farbe rosa. In rosa siehst Du nicht so blaß aus. Und ums Décolleté einen Chiffon-Volant, oder lieber zwei, das macht Dich schön breit in den Schultern.“
„Ich will aber nichts vortäuschen.“
„Aber, Kind, was für Ausdrücke.“
„Ich glaube, Marie möchte am liebsten mit ’nem Trotteurrock und ’ner Bluse mit ’nem Stehkragen zum Ball gehn,“ rief Monika, die die Cousine oft mit ihrer Vorliebe für die etwas nüchterne Kleidung neckte.
„Du kannst Dir Deine Naseweisheiten sparen,“ rief Marie, und auch Frau von Holtz warf ihr einen ernst verweisenden Blick zu: ihr war die momentane Situation zu ernst, um sie durch Witze unterbrechen zu lassen. „Also, glaube mir, Mariechen, oben die Volants und den Rock unten weit ausfallend, eine recht steife Balayeuse unten hinein — —“
„Ach, mach’s nur, wie Du willst,“ sagte die Tochter übellaunig. Ihre Miene heiterte sich auch nicht auf, als Fräulein Petermann ihr Maß nahm. Die dicke Dame erklärte, das gnädige Fräulein habe seit letztem Winter um zwei Zentimeter Brustumfang zugenommen. Frau von Holtz zeigte sich über diese Neuigkeit sehr erfreut, aber Marie sah die Mine nur verachtungsvoll an und sagte dann: „Denken Sie sich doch mal was Neues aus, Mine — denn das mit dem Brustumfang behaupten Sie ja doch jedesmal!“
Mine überhörte mit parlamentarischer Gewandtheit die Bemerkung und diskutierte eifrig mit Frau von Holtz über die Blumen, die zu der rosa Toilette getragen werden sollten. „Heckenröschen“ fand beiderseits Billigung, aber Marie schrie förmlich vor Empörung.
„Heckenröschen, — warum nicht lieber Gänseblümchen?! Schrecklich! Ich will überhaupt keine Blumen.“
Allgemeines Entsetzen folgte diesem Ausspruche.
Besonders Frau von Holtz war völlig zerschmettert.