Schade, daß diesem Rausch so bald eine Ernüchterung folgte!

Schon im Schlitten, der die Familie Holtz nach Hause fuhr, begann Marie die Schale ihres Zornes über Monika auszuschütten. Sie sparte nicht mit den schärfsten Ausdrücken, und Frau von Holtz tat ihr nicht wie sonst Einhalt, sondern schwieg verstimmt.

Nur der Onkel, der, bevor er sich zum Whist niedergesetzt, eine Weile dem Tanze zugesehn, wiegte gutmütig den Kopf und murmelte schlaftrunken vor sich hin:

„Die Marjell, — genau wie die Mali! Kokett — kokett.“

Die anderthalb Stunden Fahrt wurden für Monika ein Martyrium.

Sie seufzte hörbar und erleichtert auf, als endlich, endlich der Schlitten zu Hause hielt. Der Schnee knirschte scharf unter den Schlittenkufen. Und ehe noch die Pferde ganz zum Stehen gebracht waren, setzte Monika mit mächtigem Schwunge hinaus und rannte, ohne jemand gute Nacht zu sagen, die Treppe hinauf in ihr Zimmer.

Eine eisige Kälte empfing sie; die taperige Auguste hatte wohl wieder mal vergessen, nachzulegen.

Aber Monika störte die Kälte nicht. Rann doch ihr Blut so brennend heiß durch die Adern! Sie stellte sich vor den Spiegel und hielt die Lampe hoch. Also so — — so hübsch war sie! Die brennenden Wangen — die flammenden Lippen — die dunkeln Augen, über die sich die Lider mit den langen, schwarzen Wimpern langsam bewegten, wie wenn müde Schmetterlinge mit den Flügeln schlagen. Und darunter die blendend weiße Haut des Halses und der Schultern — — —.

Monika hätte vor Glück schreien mögen, wie neulich, als sie durch den Schnee rannte.