An und für sich war es für die Hahndorfer Dragoner ein Ereignis, wenn ein „neues“ junges Mädchen auftauchte. Waren doch nur zwei unverheiratete Damen im Regiment: die Kommandeurstöchter, und mit denen tanzte man nun glücklich den dritten Winter, und außerdem waren sie nichts weniger als hübsch.
Möglich, daß jede von ihnen an sich ganz nett gewirkt haben würde, aber man sah sie immer zusammen — und zusammen sahen sie geradezu komisch aus. Violette — sie hieß tatsächlich Violette — ihre verstorbene Mutter hatte ein faible für poetische Namen gehabt — gab an Größe dem längsten Leutnant des Regiments nichts nach, und an Breite übertraf sie ihn bedeutend. Sie hatte große, runde blaue Augen, einen Helm von goldblondem Haar und wäre als Urbild einer germanischen Heldenjungfrau gar nicht übel gewesen, wenn man nicht beständig Erika neben ihr gesehen hätte.
Erika war so ziemlich das Kleinste und Zierlichste, was man sich vorstellen konnte, ein wahres Porzellanpüppchen! Dazu eine Fülle dunkelsten Haares und zwei ausdrucksvoll dunkle Augen in einem Spitzmausgesichtchen.
Sie ließ ihre Schwester ungeschlacht erscheinen und dabei sah sie neben dieser Schwester „nach gar nichts“ aus, — kurz, sie beeinträchtigten sich gegenseitig auf das schärfste.
Die Leutnants pendelten ratlos zwischen ihnen hin und her, und das Resultat war, daß immer noch keine von ihnen verlobt war, obwohl ihr Vater keinen innigeren Wunsch hegte.
Außer den beiden waren an jungen Mädchen nur noch einige Gutsbesitzerstöchter aus der Umgegend erschienen, die keine besonderen Attraktionen boten. Und nun eine „Neue“! — Und noch dazu die Tochter eines alten Herrn vom Regiment, des „fidelen Birken“, von dessen Taten man genug gehört. Und noch dazu Monika, die in den ersten fünf Minuten mehr gute Witze gemacht als sonst ein halbes Dutzend junger Mädchen zusammen.
Nachdem sie in möglichster Eile den Damen ihren Knix gemacht, widmete sie sich völlig den Leutnants und entfesselte durch ihre Konversation derartige Lachstürme, daß man im Reiche der Mütter bedenklich die Köpfe zusammensteckte.
Die jungen Frauen fanden den „Kiekindiewelt“ empörend, die jungen Mädchen erklärten sie für „schamlos kokett“.
Monika aber ließ sich die unverhohlene Mißbilligung, die ihr von weiblicher Seite zuteil wurde, nicht anfechten. Sie benahm sich übermütig froh. Ihr war zumute wie in einem Rausch; mit all ihrer unverbrauchten Begeisterung genoß sie diese Stunden, genoß den hohen Saal mit dem strahlenden Licht, die flirtenden Leutnants, die Bewunderung, die aus so viel Männeraugen sprach, und den Tanz, den Tanz, in dem sie selig dahinglitt.