Frau von Holtz schwebte im Unklaren, wußte nicht recht, wie sie sich zu der ganzen Sache stellen sollte, aber sie wurde auch gar nicht gefragt.

Frau von Teufel vertiefte sich sofort in ein detailliertes Gespräch mit Monika, Marie zog mit ihrer Freundin in ihre Privatgemächer, und Frau von Holtz blieb nichts weiter zu tun, als Tee zu bestellen.

Als dann dieser Tee und ein riesenhafter Napfkuchen die Parteien um den runden Tisch versammelt hatte, bat Frau von Teufel Monika, ihr Werk nun vorzulesen, damit man gemeinsam den Eindruck beurteilen könne.

Monika begann. Aber die Teufelin, der niemals etwas schnell genug ging, kam von ihrer Idee zurück. „Nein, jetzt nicht vorlesen. Ich werde einen Extrakt des Stückes geben, und dann wollen wir uns erst über die Rollenbesetzung einig werden. Also — —“

Eine kleine Kunstpause.

Marie bemühte sich krampfhaft, ihr Interesse zu verbergen, indem sie mit unbeweglicher Miene aus den Fransen der Tischdecke Zöpfchen flocht.

„Also die Szene zeigt zwei Leutnants. Der eine von ihnen, seit kurzer Zeit glücklich verheiratet, redet dem andern zu, sich endlich auch Hymens Rosenfesseln anlegen zu lassen. Der Freund versichert, daß er durchaus nicht abgeneigt wäre, daß ihm aber die Wahl arges Kopfzerbrechen mache. Hierauf verabschiedet sich der Freund. Der Junggeselle bleibt allein und schläft ein.“

Marie stieß einen höhnischen Laut aus, worauf Monika sich in Positur setzte wie ein junger Kampfhahn. Sie fragte: „Sag’ mal, warum soll der Leutnant nicht einschlafen?“

„Hierauf erscheint die Phantasie und sagt dem Schlafenden, sie wolle ihm die jungen Damen zeigen, unter denen er wählen könne. Die Phantasie hebt ihren Zauberstab, und es erscheinen, begrenzt von einem Bilderrahmen, nacheinander die Typen der weiblichen Wesen, die den Leutnant mit ihrer Hand beglücken möchten: Sportdame, Salondame, Studentin. Sie alle lassen unseren Helden kalt. Aber als zum Schlusse das ganz unmodern erzogene, altmodisch-holdselige Mädchen erscheint, das bei Mama kochen lernt und in ihrem kleinen Herzen eine große Liebe für diesen Leutnant trägt, da wählt er sie zu seiner Lebensgefährtin.“