„Abwarten!“ sagte Monika lakonisch.

Nachdem sie beim Onkel Aktenbogen und Bleistift erbeutet, legte sie sich auf den Teppich und begann eifrig zu kritzeln.

Am nächsten Morgen legte sie Frau von Holtz ihr Machwerk vor, die es mit lebhaftem Mißtrauen in die literarischen Fähigkeiten ihrer Nichte las.

Wider ihren Willen fand sie es sehr nett. Aber sie traute ihrem Urteil nicht. Sie las sonst nie etwas anderes als Zeitungen, fand Poesien überspannt und war sich ehrlich bewußt, „von all diesen Sachen nichts zu verstehen“.

Marie lehnte ab, Monikas Erzeugnis zu lesen, obwohl sie vor Neugierde darauf brannte. Aber Monika sollte sich ja nicht einbilden, daß sie für ihre Dummheiten etwas übrig habe.

Mit stiller Verzweiflung sah die Dichterin, daß Tante auch nicht die mindesten Anstalten machte, das Opus nach Hahndorf abzuschicken. Und nachdem sie drei Tage in gräßlicher Nervenspannung verbracht, griff sie zu einem heroischen Mittel: sie packte ihr Werk ein und adressierte es selbst nach Hahndorf. Nicht etwa an die Teufelin. Vor der hatte sie zu großen Respekt. „Leutnant Graf Herckenstedt“ stand auf dem Kuvert und auf das Manuskript hatte sie gekritzelt: „Wie Sie sehen, habe ich mein Versprechen gehalten. Hoffentlich gefällt’s!“

Sie paßte den Briefträger ab und händigte ihm selbst das umfangreiche Kuvert ein. Als er umständlich die Adresse gelesen, grinste er freundlich und grinste noch freundlicher, als Monika ihm ein kleines Trinkgeld in die Hand gedrückt.

Als einige Tage später Frau von Teufel zur Höll und Frau von Roßberg zum Besuch vorsprachen, war der jungen Autorin doch recht unbehaglich zumute.

Aber ihre Besorgnisse hielten nicht lange vor, da die Teufelin ihr gleich beim Eintreten förmlich freundlich zugelächelt und dann Frau von Holtz versicherte, daß „ihre liebe Nichte wirklich eine ganz reizende Idee gehabt“.