Monika machte ganz erstaunte Augen. Es war das erstemal in ihrem Leben, daß man sie als „ein braves junges Mädchen“ bezeichnete. Sie war mit der Rolle nicht sehr einverstanden. Sie hatte sich nun mal auf die Phantasie verspitzt.

„Ich dachte: Fräulein von Birken, weil sie doch die Jüngste ist; ihr muß das Backfischhafte doch am besten liegen.“

Monika fand — ein seltener Fall bei ihr — keine Entgegnung. Sie war noch ganz in Nachdenken versunken, als die Damen schon lange weg waren, nachdem man noch verabredet, wann die erste Probe stattfinden solle.

Zwischen den Cousinen herrschte langes Stillschweigen. Endlich rang sich Marie zu einer Art Ehrenerklärung durch. „Im übrigen muß ich Dir noch sagen, Mone, die Tendenz von Deinem Dingsda ist gar nicht so überspannt, wie Du sonst bist. Daß der Leutnant das einzig häuslich erzogene, junge Mädchen nimmt, ist riesig vernünftig.“

„Was, vernünftig?! Nur ein Beweis für seine haarsträubende Dummheit ist es. In der Ehe langweilt er sich doch tot mit dieser kleinen Gans!“

„Was?!“

„Na, natürlich, ich wollte in dem Dings doch gerade zeigen, wie solch dummer Mann allen anderen das Gänschen vorzieht, bloß weil ihm das so vertraut und bequem ist: so eine Erziehung vieux jeu! — Eine Persiflage ist’s!“

„Na so eine Falschheit von Dir! Das merkt doch kein Mensch, daß es eine Persiflage sein soll!“