Er lachte kurz auf.

„Du hast Dir einen schlechten Ratgeber ausgesucht. Ich hab’ mir selbst nicht raten können.“

Es war ein so bitterer Ton in seiner Stimme, daß Monika einen Augenblick sich selbst vergaß, einen Augenblick den jugendlichen Egoismus, der sich selbst das Interessanteste ist, beiseite ließ.

Ein heißes Mitgefühl blitzte in ihren Augen auf.

„Ja, Doktor, es ist doch eigentlich sonderbar, daß Sie Ihr Leben hier so vertrauern. So rasend klug wie Sie sind und gebildet! Sie könnten doch eine Rolle spielen, könnten in großem Maßstabe wirken für die Allgemeinheit!“

Er lächelte höhnisch.

„Wenn mir die Allgemeinheit bloß nicht so verdammt gleichgültig wäre!“

„Oh!“

„Sieh mal, Kind, ich hab’ in meinen Brausejahren ja auch die Welt aus den Angeln heben wollen. Und zum Arzt war ich gewiß nicht gemacht. Ohnmächtig hingeschlagen bin ich, als ich das erstemal in den Seziersaal kam. Alles in mir hat sich aufgebäumt gegen den Anblick von Gebresten und Tod. Zu meiner Mutter bin ich hingestürzt: ‚Umsatteln! Ich will nicht Medizin studieren. Literaturhistoriker.‘ —