Na, die Antwort hättest Du hören sollen! Arzt werden sei ein Brotstudium, und das habe sie als Witfrau doch wohl um mich verdient, daß ich sie in absehbarer Zeit ernähre. Na, schön, ich habe nachgegeben. Man gewöhnt sich ja auch. Aber man sieht bei diesem Beruf zu sehr, was für ein armseliges Ding der Mensch ist! Und um nicht verrückt zu werden über all den gräßlichen Bildern, hab’ ich mich in die Philosophie geflüchtet, habe mich in die seltsamen, narkotischen Philosophien des Ostens vertieft: China und Indien.“
Er starrte träumerisch geradeaus.
Da traf Monikas Antwort sein Ohr. „Feig’ ist das!“
Wie ein Schlachtruf klang’s. „Feig’! Sein Leben zu verträumen und verdösen in solch künstlicher Gemütsruhe. Wie ein Sumpf ist das. Ich aber will raus, raus in die See! Und wenn ich tausend blutige Schmerzen haben werd’, so werd’ ich auch tausend brennende Freuden haben! Und werd’ leben, es in allen Adern fühlen, das herrliche, blutrote Leben!“
Ihre Hände hatten sich zu Fäusten geballt. Eine so heiße Welle von Kraft ging von ihr aus, daß sie zu dem müden Manne hinüberstrahlte, seine Nerven aufzucken ließ in sekundenlangem Leben.
„Hättest früher kommen sollen, Mone. Bist zwanzig Jahre zu spät geboren für mich. Viel früher hättest Du kommen sollen.“
Es war ein dumpfer Klang in seiner Stimme.
Und dann breitete er beide Arme aus und drückte sie fest an sich: „Leb’ wohl, Mone. Adieu, Kätzchen. Wenn Du wiederkommst, bin ich wohl nicht mehr da.“
„Oh!“ schrie sie erschreckt auf.
„Stille. Sehr lange spielt mein Herz wohl nicht mehr mit. Der edle Alkohol wird ihm zu viel. Stille, Kind! Eines lehren meine weisen Freunde aus dem Osten: anständig zu sterben...“