In unserem Bekanntenkreise gefällt Monika ganz ausgezeichnet. Gestern kamen mir in unserem Damenklub sehr schmeichelhafte Aeußerungen über sie zu Ohren. So sagte mir z. B. die Frau Geheime Baurat Wegener: „Ihre Nichte ist wirklich ein äußerst interessantes Mädchen.“ Andererseits kann ich Dir nicht verhehlen, liebe Mali, daß Deine Tochter auch gefährliche Anlagen besitzt...“

„Da hörst Du’s,“ unterbrach Heinzemännchen in bedeutungsschwerem Tone.

Mit ängstlichen Augen las die Baronin weiter.

„Erstens: Monika ist adelsstolz. So oft, wie ich ihr schon auseinandergesetzt habe, daß nicht ererbter Adel eine Zierde des Menschen ist, sondern einzig und allein nur der Adel der Bildung — sie scheint mir nicht überzeugt zu sein.

Auch benutzt sie Briefpapier mit ostentativ großer Krone. Ferner zeigt sich bei ihr oft ein Hang zur Oberflächlichkeit, der die Freude an dem sonstigen Hochstand ihres geistigen Niveaus nicht ungetrübt erscheinen läßt.“

„Sogar sehr oberflächlich,“ bestätigte Heinzemännchen mit mißbilligendem Kopfnicken — „gefährliche Eigenschaften hat sie.“

Eine Sorgenfalte grub sich in seine schmale Stirn.

Er hätte sich wohl des weiteren über seine Schwester ausgelassen, wenn nicht die Tür aufgerissen worden wäre. Karl, der jüngste Bruder, stürmte herein.

„Mamachen, bitte, eine Stulle mit Wurst.“

„Aber Karl, das ist die elfte heute.“