Zu ihren Dienstboten verhielt sich Frau von Birken gerade wie zu ihren Wohnungen: sie fand sie begeisternd, aber sie wechselte sehr gern.

Uebrigens verabschiedete sie sie nie aufs Ungewisse hin.

Mit geradezu rührender Sorgfalt suchte sie ihnen neue Stellungen aus, erließ diesbezügliche Annoncen und schrieb ihnen Zeugnisse, nach denen die Mädchen von hervorragenden Eigenschaften geradezu strotzten.

Die jetzige war natürlich auch wieder eine Perle. Und wie nett sie zu erzählen wußte! Frau von Birken nahm lebhaften Anteil an den Schwankungen des Liebesverhältnisses, das Martha mit einem Schutzmann unterhielt. Die Herrin debattierte stundenlang mit dem Mädchen über die Frage, ob Otto sich zur Heirat entschließen würde oder nicht. Er konnte doch eine Frau ernähren bei der schönen Anstellung, die er hatte. Aber ob ihm zu trauen war?

„Nehmen Sie sich nur in acht, Martha.“

Gestern war er also wirklich nicht zu dem verabredeten Sonntags-Rendezvous gekommen? — Das war doch entschieden sehr auffallend. Nun, vielleicht dienstlich verhindert?

„Aber er hätte jedenfalls schreiben können.“

Die beiden waren so in dieses passionierende Gespräch vertieft, daß sie das Läuten an der Korridortür überhörten.

Erst als Heinrich grämlich hereinrief, daß wohl erst die Klingel abgerissen werden solle, ehe sich Martha zum Oeffnen entschlösse, lief die letztere zur Tür.

Frau von Birken hörte ihren erstaunten Aufschrei. Gleich darauf wurde die Tür aufgerissen — zwei Arme schlangen sich um den Hals der Baronin, ein ungestümer Mund preßte sich auf den ihren: Monika.