Die Mutter war zu überrascht, um Worte zu finden, aber Heinrich, der, seinen Eichendorff fest unter den Arm geklemmt, sich in der Küchentür sehen ließ, sagte ahnungsbang:

„Du wirst wohl wieder was Nettes angestellt haben, Mone.“

Monika ließ sich den brüderlichen Pessimismus nicht sehr zu Herzen gehen; sie umarmte den jungen Melancholiker freudestrahlend:

„Heinzemännchen, Du siehst schon wieder so lebensüberdrüssig aus wie ein asthmatischer Mops. Freust Du Dich denn nicht, daß ich wieder da bin? Oder belastet schon wieder die Verantwortung für mein Betragen Deine schwachen Schultern? Heinzemännchen, beruhige Dich — ich habe immer noch weder Wechsel gefälscht, noch einen Leutnant entführt.“

Frau von Birken fand nun endlich Worte. „Was hast Du bloß für einen komischen Umhang um?“ fragte sie und strich erstaunt über die kapuzinerbraune Umhüllung aus schwerem Loden, welche Monika trug.

„Das? — Ein Geschenk von Tante Kläre — ein ausrangiertes von ihr. Sie sagt: ‚Frauen, die Toiletten-Luxus treiben, sind keine Vollmenschen.‘ — Da ich aber zu einem solchen erzogen werden sollte...“

„O, Mone, Mone...“

„So bin ich ausgerückt. Hurra, hurra, hurra!“ Monika warf ihre geliebte Pelzmütze in die Luft. „Martha, was zu essen, aber viel und gut! Ist was in der Speisekammer? Nein? Na, natürlich — wie gewöhnlich. Gehen Sie bloß schnell was holen: Leberwurst und Semmeln und Butter und zwei Zuckerkringel — ich bin ganz verhungert.“

Martha eilte fort, und Frau von Birken sagte mißbilligend: „Mone, wieder so materiell! Gleich in der ersten Minute des Wiedersehens ans Essen zu denken...“