„Und Du hast in der ersten Minute nur an meinen Umhang gedacht, an den braunen Umhang. Wir nehmen uns nichts, Mamachen. Du denkst an die Kleidung, ich ans Essen — fürs Epikureische sind wir alle beide, Gott sei Dank.“
„Ach, Mone, Du bist genau wie immer,“ klagte Frau von Birken, indes sie ihrer Tochter ins Eßzimmer folgte. „Und ich hatte gedacht, Du würdest Dich geändert haben. Gerade von Tante Kläre habe ich Einfluß auf Dich erwartet.“
„Ach, es ist komisch, Mamachen, es hat eigentlich niemand Einfluß auf mich. Ich habe so andere Ansichten. Die würde ich ja gern ändern, wenn mich irgend jemand durch Argumente überzeugen könnte. Aber was die andern sagen, das ist nie stichhaltig: das zerfetze ich mit ein paar Worten. — Wenn mich irgend jemand überzeugen könnte, mir eine Direktive geben — mais je ne demande pas mieux.“
„Nun sage lieber bloß schon gleich, was Du angestellt hast,“ sagte das geliebte Heinzemännchen trocken.
„Was ich angestellt habe? Ach, gar nichts. Bloß daß sich der Doktor Schelling in mich verliebt hat.“
„Aha, ein Mann,“ bemerkte Heinrich.
„Na — sozusagen,“ erwiderte Monika gedehnt. „Er ist kleiner als ich und schmäler als ich, und außerdem hinkt er auf dem linken Fuß...“
„Mone, Deine Art, auf Aeußerlichkeiten Gewicht zu legen, ist schrecklich: ich kenne den Doktor Schelling — ein sehr geistreicher, feinsinniger Mann...“
„Aber, Mama, wie er aussieht — direkt verboten!“
„Mone, Du wirst wieder gemütsroh. Wo Du das nur herhast? Wenn ich so denke: das Gemüt, das ich habe! Bei meinem Gemüt, Mone...“