Lieber Alfred, sagte sie lächelnd, ich glaube, so lange Ihr jungen, leichtfertigen Leute hier bei mir ein- und ausgeht, muß ich das Mädchen aus dem Haus thun.
Und wenn ich mich auch ein wenig verliebte, entgegnete Alfred, Du fürchtest doch nicht –
Nein, ich fürchte nicht, daß Du leichtfertig genug wärest, ein Mädchen thörichter zu machen, als es schon ist, aber Deinen Freunden traue ich nicht.
Alfred lachte. Sie sind alle außer sich über diese Schönheit, und Graf Bründel, glaube ich, früge allerdings nicht viel danach, ob er ein thöricht Mädchen thörichter mache.
So bitte ich Dich, vermeide es, daß er sie sieht, – entgegnete die Mutter besorgt. Und Du, lieber Alfred, bist vorsichtig, – fügte sie zögernd hinzu.
Gewiß, sagte Alfred treuherzig und reichte der Mutter die Hand; und sollte es wirklich gefährlich werden, da bitte ich Dich, mich fortzuschicken, – schloß er scherzend.
Diese Unterredung hatte Klärchen durch das Schlüsselloch mit angehört, denn Horchen war in den zehn Geboten nicht verboten. Sie haben sich Alle in dich verliebt, und Alfred ist doch der Schönste und Edelste. Seinen Spaß würde er nie mit dir treiben: zeigt der dir Liebe, so wäre es Ernst. Sie seufzte. Ja, hätte sie mit dem Mediziner noch nicht angefangen, sie hätte es wahrlich jetzt gelassen; aber sie hatte sich küssen lassen, hatte eine Liebschaft an der Treppe gehabt; Frau von Trautstein konnte sie nicht werden. Also nur kühn den Mediziner festgehalten, er ist auch ein Mann von Bedeutung und so sehr verliebt, es läßt sich Alles mit ihm machen.
Mit solchen Gedanken machte sie in ihrer Mutter Stube die Vorbereitungen zur Verlobung. Zwei Lichter brannten außer der kleinen Lampe, Tassen und Kuchen standen auf dem Tisch, die Theekanne in der Röhre, die Mutter saß im Lehnstuhl am Ofen, und Klärchen mit der Guitarre am Arm saß im Sopha. Der Student kam, die Thür ward verschlossen und nun ward geplaudert, gescherzt, gekoset. Die Mutter war ganz glücklich. Der Mediziner hatte schon eine volle Börse deponirt zu Sachen, die für Klärchen nothwendig angeschafft werden sollten. Sie mußte sich gestehen, daß Klärchen es weit klüger angefangen als sie: Klärchen that spröder und vornehmer und kommandirte mehr. Sie bedachte nur nicht, daß das Ende einer klugen Sünderin ein gleiches ist, als das einer dummen. Klärchen kam zuletzt mit Vorschlägen zur Veröffentlichung ihrer Verlobung heraus, die für heute darin bestanden, noch zu Tante Rieke zu gehen. Der Mediziner sah sie erst verblüfft an und brach dann in ein helles Lachen aus. Er hatte schon viel Liebschaften gehabt, das aber war ihm noch nie passirt.
Närrchen! sagte er, wie kannst Du ein solcher Philister sein! Bei uns ist wohl von Lieben die Rede, aber nicht von Verloben. Wenn die Welt erst zusieht, hört aller Spaß auf.
Klärchen stand auf, sie zitterte an allen Gliedern. Wenn es so gemeint ist, sind wir geschiedene Leute, sagte sie in höchster Erregung.