„Ja, ja, Mutter!“ Er stürzte auf sie zu und schloß sie in seine Arme.
Sie wehrte: „Sei gescheit.“
„Nein, gescheit bin ich heute einmal nicht. Ich muß dich lieb haben und küssen, dein liebes Gesicht, deine lieben Hände, jeder Finger bekommt einen Kuß.“
Nun denn! Ach, die Zärtlichkeit des Kindes tat sehr wohl. „Jetzt aber setz dich, es wird ja alles kalt.“
Und sie setzten sich und aßen und ließen sich's schmecken und plauderten und dachten nicht an morgen, und waren so glücklich, wie die armen Leute sind, die ganz in der Gegenwart leben, den Augenblick genießen, den Blick von der Zukunft abgewendet, die ihnen nichts Gutes bringen kann.
Nach dem Abendbrot begab die Mutter sich an die Nähmaschine und wollte noch ein Stündchen fleißig sein. Die alte Nähmaschine, die sich die letzte Zeit hindurch nur schwer in Bewegung setzen ließ und den Dienst auch schon mehrmals versagt hatte, glitt heute dahin wie ein Schlitten auf festgefrorener Bahn. Was war denn da geschehen? Gestern noch hatte die Mutter gedacht, die alte Getreue werde überhaupt nicht mehr brauchbar sein und nicht einmal in der Fabrik hergestellt werden können. Was geschehen war? Der Vater hatte sie auseinander genommen und sie ausgezeichnet repariert.
„Der Vater?“ das gab dem Georg zu denken. „Hat denn der Vater gelernt, Nähmaschinen reparieren?“
„Gewiß nicht. Aber weißt du, der Vater kann vieles, das er nicht gelernt hat, er hat zu allem Talent.“
Hat es nicht gelernt und kann es, weil er Talent hat. Etwas können, das man nicht gelernt hat, heißt also Talent haben. Er versank in Grübeleien.
„Aber Mutter, ich hab doch auch Talent.“