Der Vater hob namenlos erstaunt den Kopf. Sein friedfertiger Junge war heute der Held einer Prügelei gewesen, und jetzt vermaß er sich, ihm zu widersprechen. Was war vorgegangen? War in dem Jungen der Mann erwacht? Sollte er am Ende noch so schneidig werden, wie er sich ihn immer gewünscht?
Frau Agnes hatte ihre Hand auf den Arm des Sohnes gelegt, als er dem Vater widersprochen: „Um Gottes willen, Schorsch!“
„Still,“ herrschte Pfanner sie an, „laß ihn reden. Ich bin nicht faul, behauptet er. Also red, 's ist erlaubt, 's ist befohlen,“ drang er in ihn.
„Ich lern den ganzen Tag,“ sagte Georg. „Ich kann nicht mehr lernen als ich lern, ich weiß nicht, was ich anfangen soll, damit du zufrieden bist.“ Die Tollkühnheit der Verzweiflung kam über ihn, und er wagte hinzuzusetzen: „Andre Eltern sind schon zufrieden, wenn ihre Kinder ‚Genügend‘ bekommen, und ich soll lauter ‚Vorzüglich‘ und ‚Lobenswert‘ haben ... Und ich soll mich schinden ... Und ich ...“ Er konnte nicht weiter reden, rang die Hände, schlug mit der Stirn auf den Tisch und wand sich in einem Schmerze, über den der Vater selbst erschrak. Zum erstenmal im Leben fühlte er sich ratlos dem Kinde gegenüber.
„Ich hab schon ein ‚Genügend‘ in Griechisch!“ schrie Georg in pfeifenden, gequetschten Tönen. „Wenn ich noch ein ‚Genügend‘ bekomme, bin ich kein Vorzugsschüler mehr. Und ich bekomm gewiß noch ein ‚Genügend‘ ...“
Das war zu viel. Die Worte machten der Langmut Pfanners ein Ende. Alles in ihm, das ein bißchen weich zu werden begonnen hatte, erstarrte wieder:
Kein Vorzugsschüler mehr! Dieser Bub, der die Fähigkeit besaß, einen Platz unter den Ausgezeichneten zu behaupten, wollte durch die Schule kriechen mit dem großen Heer der Mittelmäßigen? Pfui über den Buben!
„Du bleibst Vorzugsschüler, oder ich geb dich zu einem Schuster in die Lehr.“
„Tu's, Vater, tu's! Aber warum grad zu einem Schuster!“ erwiderte Georg außer sich. „Du kannst mich auch zu Herrn Obernberger geben, und ich werd ein Kunstschlosser ... Oder auch mit Musik kann ich mein Brot verdienen ...“
„Georg, Georg, um Gottes willen!“ wiederholte die Mutter. Sie sah ihren Mann fahl werden vor Wut, sah seine Fäuste sich ballen: