„Musik? gut, gut! Ich kauf dir einen Leierkasten, kannst in den Häusern orgeln und auf die Kreuzer warten, die sie dir aus den Fenstern werfen.“
Georg preßte das Kinn auf die Brust und starrte zu Boden.
Pfanner sprang auf und führte einen schweren Schlag auf den Nacken des Kindes: „Kein Wort mehr! Und – das merke, komm mir nicht noch einmal mit einer schlechten Note nach Hause. Untersteh dich nicht!“
„Nein, nein,“ murmelte Georg. Er war jetzt ganz furchtlos. Um so besser, wenn er nicht mehr nach Hause zu kommen braucht. Der Vater wird sich nicht mehr über ihn ärgern, und die Mutter nicht mehr quälen um seinetwillen. Wäre er doch nicht auf die Welt gekommen ... – oder wäre er schon draußen – wäre er tot!
Am nächsten Morgen war der Vater von einer furchtbar dräuenden Schweigsamkeit. Die dunkeln Ringe unter seinen geröteten Augen, bei ihm das sicherste Zeichen einer schlaflos durchwachten Nacht, gaben ihm das Aussehen eines Kranken. Er frühstückte hastig, nahm seine Schriften unter den Arm, setzte den Hut auf und verließ das Zimmer, ohne den Gruß seiner Frau und seines Sohnes zu erwidern. Man hörte ihn die Küchentür zuschlagen, daß sie dröhnte.
Georg ordnete die Hefte und Bücher in seiner Schultasche, war fertig, nahm Stück auf Stück wieder heraus, ordnete alles von neuem, langsam und bedächtig. Die Mutter mahnte zur Eile. Er ließ plötzlich alles liegen und stehen und warf sich ihr in die Arme, und sie drückte ihn an ihr Herz. Sie sprachen nicht, es kam keine Anklage über ihre Lippen, aber glühend brannte sie in ihren Herzen. Wie glücklich könnten sie sein, sie zwei, wie glückselig, wenn der Ehrgeiz des Vaters nicht wäre, der blinde, törichte, der vom Apfelbäumchen, das ihm Gott in seinen Garten gepflanzt, die Triebkraft der Eiche verlangte.
Dreimal schon hatte Georg Lebewohl gesagt und brachte sich noch immer nicht fort.
„Du kommst zu spät, Schorschi,“ sagte Frau Agnes. „Lauf jetzt, lauf! Und sei nicht so traurig,“ fügte sie hinzu und strich ihm über die Wangen.
„Du bist selbst traurig,“ antwortete er.
„Ach – das vergeht, bei der Arbeit vergeht's.“