„Der Doktor räusperte sich, und meine Großmutter fuhr fort: ‚Auch hat er seinen Vater halbtot geschlagen.‘
„‚Hm, hm, er hat ihm eigentlich nichts getan, auch nichts tun wollen, nur abhalten, die Mutter nicht ganz totzuschlagen.‘
„‚So?‘
„‚Ja, hochgräfliche Gnaden. Der Vater, hochgräfliche Gnaden, ist ein Mistvieh, hat einen Zahn auf den Mischka, weil der der Mutter seiner Geliebten manchmal ein paar Kreuzer zukommen läßt.‘
„‚Wem?‘
„‚Der Mutter seiner Geliebten, hochgräfliche Gnaden, ein erwerbsunfähiges Weib, dem sozusagen die Quellen der Subsistenzmittel abgeschnitten worden sind ... dadurch, daß man die Tochter fortgeschickt hat.‘
„‚Schon gut, schon gut!... Mit den häuslichen Angelegenheiten der Leute verschonen Sie mich, Doktor, da mische ich mich nicht hinein.‘
„Der Doktor schob mit einer breiten Gebärde den Hut unter den Arm, zog das Taschentuch und schneuzte sich diskret. ‚So werde ich also der Alten sagen, daß es nichts ist.‘ Er machte, was die Franzosen une fausse sortie nennen, und setzte hinzu: ‚Freilich, hochgräfliche Gnaden, wenn es nur wegen des Vaters wäre ...‘
„‚Nicht bloß wegen des Vaters, er hat auch dem Janko ein Auge ausgeschlagen.‘
„Der Doktor nahm eine wichtige Miene an, zog die Augenbrauen so hoch in die Höhe, daß seine dicke Stirnhaut förmliche Wülste bildete, und sprach: ‚Was dieses Auge betrifft, das sitzt fest und wird dem Janko noch gute Dienste leisten, sobald die Sugillation, die sich durch den erhaltenen Faustschlag gebildet hat, aufgesaugt sein wird. Hätte mich auch gewundert, wenn der Mischka imstande gewesen wäre, einen kräftigen Hieb zu führen nach der Behandlung, die er von den Heiducken erfahren hat. Die Heiducken, hochgräfliche Gnaden, haben ihn übel zugerichtet.‘