Vereinzelte Laute der Zustimmung ließen sich vernehmen, aber so manches Antlitz drückte Enttäuschung aus.

„Die Sache Gottes, meine Brüder!“ wiederholte der Redner. „Vermöchte ich den Feuereifer, ihr zu dienen, in euern Seelen zu erwecken, den er in der meinen erweckt hat, und euch den Abscheu und die Scham kennen zu lehren, womit ich zurückblicke auf die einst genossenen Erdenfreuden. Mitten in der Fülle ihrer Genüsse fand mich der Herr. Aus ihrem Taumel schrak ich auf bei seinem Ruf. Und die Stimme, mit der der Allerbarmer mich rief, war die des Mitleids, und das Mitleid gebar den Zweifel und der Zweifel die Erkenntnis.“

Verklärung breitete sich über seine Züge; das Licht der schönsten Liebesgedanken leuchtete auf seiner Stirn.

„Ich lebte, wie die Verwöhnten leben. Weil der Zufall mir zuviel beschert hatte, kannt ich kein Genügen; in meiner heißen Hand zerschmolz das Gold.

Da war einer unter meinen Dienern – Jelek hieß er, ein Bauerssohn, der, aufgeweckt und tüchtig, es bis zu dem Amte meines Güterverwalters gebracht hatte. Er allein wagte es einmal, eine Warnung gegen mich auszusprechen, und fiel dadurch bei mir in Ungnade.

An einem Sommermorgen ritt ich nach fröhlich durchlebter Nacht mit meinem Anhang von einem Feste bei meiner Geliebten heim. Ihre Küsse brannten noch auf meinen Lippen, die Klänge der Musik summten mir noch im Ohr, liebliche Bilder gaukelten vor meinen Augen, eine beglückende Lebenslust erfüllte mich. In meiner Seele vermählten sich die Erinnerung an genossene Freuden mit der Erwartung künftiger, und übermütig rief ich meinen Gefährten zu:

‚Wie heute, so morgen, und immer!‘

Wir waren am Ausgang des Waldes angelangt; vor uns lagen im schimmernden Duft des jungen Tages die taufrischen Wiesen, das Ährenmeer der Felder, und aus der Ferne grüßte mein bewimpeltes Schloß mit seinen starken Türmen. Seine Fenster blinkten, auf seinem altersgrauen Gemäuer lag der Glanz der aufgehenden Sonne wie ein Lächeln auf dem Antlitz eines Greises. Einen schönen Anblick bot mein ehrwürdiges, gastliches Haus, und mit Jauchzen sprengten meine Gefährten ihm zu.

Ich aber verhielt mein Roß.

Ich hatte längs des Waldsaumes einen Mann in hastender Eile herbeikommen gesehen und Jelek, meinen Verwalter, in ihm erkannt. ‚Woher und wohin?‘ rief ich ihn an. Er nannte einen weit entfernten Meierhof, nach dem ihn der Intendant mit einem Auftrag schickte. – ‚Fand sich dazu kein Geringerer? Seit wann machst du Botengänge?‘ – Auf diese meine Frage gab er zur Antwort: ‚Seit ich bei dir in Ungnade gefallen bin. Dein Intendant hat mich meines Amtes entsetzt und bedenkt mich dafür mit allerlei Ämtern.‘ – Er keuchte und wischte sich den Schweiß von der Stirn, und ich sah es ihm an, daß ihm der Boden unter den Füßen brannte. Ich sah auch, daß sich vom Dorfe aus ein langer Zug nach der Straße hin bewegte, und daß der es war, dem er entgegenstrebte. Ich setzte mein Pferd in Schritt, und er folgte mir. So kamen wir zur Landstraße, auf der die Leute wanderten. Ein paar hundert Männer, Jünglinge, Greise, ihre Sensen auf den Schultern, Säcke auf den Rücken. Sie schritten stumm, mit gesenkten Köpfen, die meisten barfuß und zerlumpt – meine Bauern!... Und wie sie, sich bis zur Erde verneigend, an mir vorüberschlichen, unlustig, wie eine Herde, die nach fremdem Pferch getrieben wird, da wußt ich: die Leute sind vermietet für die Erntezeit, weithin vielleicht, und werden den Boden, auf dem ihre eigene ärmliche Ernte reift, nicht wiedersehen, eh der Schnee ihn bedeckt.