Rosenzweig antwortete dumpf: „Komm nur, Halunke. Was ich verspreche, halte ich – auch einem Halunken.“

Er trat an den Wagen und sprach, auf den Rücksitz deutend, zu seinem Fahrgast:

„Da hinüber steigen Sie, überlassen Sie mir Ihren Platz. Ich bringe Sie in Sicherheit.“

Der Sendbote stand mit einem Satze neben ihm und drückte kräftig seine Hand:

„Haben Sie Dank. Sorgen Sie nicht weiter um mich; ich finde Freunde überall.“

Vergeblich suchte der Doktor ihn zurückzuhalten, er entwand sich ihm und war bald den Augen seines Retters im verhüllenden Zwielicht entschwunden.

V.

Rosenzweig kutschierte nach Hause, im kurzen Trab, im Schritt – wie es den Falben beliebte. Er hatte keine Eile. Wäre der Weg noch einmal so lang gewesen, er würde ihm nicht zu lang geworden sein. Dem, der über ein Wunder nachdenkt, vergeht die Zeit geschwind.

Gelogen, betrogen, einen Schurken bestochen – hatte er das wirklich getan, er, der redliche Rosenzweig? Um eines Menschen willen getan, den er noch vor kurzem für einen Feind der Gesellschaft, für seinen eigenen Feind gehalten?

Die widersprechendsten Empfindungen lieferten sich eine Schlacht in Nathanaels sonst so gleichmütiger Seele. Nur die schlimmste von allen, die Reue, war nicht unter ihnen.