Vertrauend auf die Gewalt seines Wortes verließ er Krakau, von Priestern im reichen Ornate, von Fahnen und Kreuze tragenden Mönchen begleitet. Eine große Menschenmasse folgte; dreißig Scharfschützen deckten den Zug. Er überschritt die Weichselbrücke und bewegte sich durch die Vorstadt Podgorze auf der Straße nach Wieliczka.
Sie lag still und öde; so weit das Auge reichte, keine Spur von herannahenden Bauernrotten. Von Podgorze aus kam jedoch eine Schreckenskunde, der Nachhut durch eilende Boten zugetragen; sie durchfiel den Zug wie ein Blitz:
Österreichische Truppen marschieren gegen Podgorze.
Ein rascher Befehl seines Führers, und der Zug trat den Rückweg an in der Hoffnung, die Stadt vor den Kaiserlichen erreichen und die Brücke noch gewinnen zu können.
Auf den Anhöhen rechts von Podgorze angelangt, konnte der Sendbote schon den Sturm auf die Stadt und das siegreiche Vordringen der Truppen überblicken.
Die Kaserne war genommen, die Kirche besetzt; die polnischen Schützen, aus den Häusern vertrieben, jagten in ungeordneter Flucht der Brücke zu.
Grimm und Schmerz erfüllten bei diesem Anblick die Seele des Emissärs.
„Vorwärts! Mit Gott vorwärts, wir schlagen uns durch, wir erreichen noch die Brücke. Mut!“ rief er den zögernden Priestern zu. „Ihr habt nichts zu fürchten. Die man zum Sturme zwingt, folgen widerwillig. Es sind Galizier, sie schießen nicht auf ihre Landsleute, schießen nicht auf geweihte Priester!“
Er befahl, ein geistliches Lied anzustimmen, und in majestätischer Ordnung, langsam und feierlich, kam die Prozession die Anhöhe herab. Der Emissär schritt voran im Bauernkleide, sein heller Kaftan schimmerte in der anbrechenden Dämmerung; in der Hand hielt er ein kleines schwarzes Kreuz.
Ungehindert gelangte der Zug durch den noch unbesetzten Stadtteil bis zur Kirche. Hierher aber war schon eine Kompanie vorgedrungen, die den Weg zur Brücke versperrte.