Nathanael ließ sich durch diese Anklage nicht außer Fassung bringen.
„Ein Schwärmer wäre ich,“ entgegnete er, „wenn ich an die Verwirklichung der Utopien glaubte, für die dieser ‚Kommunistenführer‘, wie Sie ihn nennen, lebt, und für die er sterben wird. Nun, nicht einmal unter dem Einfluß seiner Nähe, beim Wohllaut seines Wortes, unter den Blitzen seines Auges ist es mir auch nur durch den Sinn geflogen: Wer weiß? vielleicht doch!... Vielleicht vermag ein Beispiel, wie das deine, uns Selbstlosigkeit zu lehren und allgemeine Erfüllung der einfachsten Pflichten. O nein, nein! dazu kenne ich uns Menschen zu gut. Aber gedacht habe ich mir: du wirst zu Boden geworfen, zertreten, ein Narr geheißen und – vergessen werden. Kaum gibt es in zehn Jahren noch einen unter allen, die du liebtest, der deinen Namen nennt. Trotzdem ist der mächtige Fürst, den die Neugier oder der Wunsch, sich populär zu machen, in deine Versammlung trieb, ein Bettler gegen dich. Reich bleibt ewig nur der Schenkende, und die Größe des Mannes mißt sich nach der seiner Idee und der Opfer, die er ihr bringt. Die deine hat das Maß überschritten, das sich in unsrer kleinen Welt verwirklichen läßt. Ihre Größe macht sie zum Irrtum, und dich zum Irrenden. So dachte ich; und ich, der Arzt, der eingefleischte Hasser und Verfolger alles Krankhaften, Überspannten, Wahnbefangenen, ich tat ein Gebet für ihn zu meinem Gott:“
„Laß ihn sterben, umringt von allen Gebilden seiner Torheit, laß ihn ungeheilt sterben, o Herr!“
Dieses Gebet schien bald im vollkommensten Maße erhört.
Die Erhebung war am Widerstand der Landbevölkerung gescheitert; das Korps, das die Insurgenten aufgebracht hatten, war durch dreihundert Mann kaiserlicher Truppen und eine zehnfache Anzahl Bauern, die sich ihnen anschlossen, unter Benedeks energischer Führung, bei Gdow geschlagen worden.
Von der erlittenen Niederlage erhielt die Revolutionsregierung in Krakau entstellte Kunde.
Die Freiheitshelden waren, so lautete sie, nicht durch reguläre Truppen, sondern durch fanatisierte Bauernhorden überwältigt worden, die, bis Wieliczka vorgedrungen, sich jetzt im Anmarsche auf die Stadt befanden.
Ein Schrei der Rache erhob sich und – verstummte vor der Beredsamkeit eines Mannes, der Schonung des verblendeten und irregeführten Volkes forderte und verlangte, ihm als Bekehrer entgegengesendet zu werden.
Dieser Mann war Eduard Dembowski, und sein Wille geschah.