„Ja, ein gar großer Hexenmeister. Macht die Kranken gesund, macht die Toten lebendig.“
„Die Toten?“ ... Das Mädchen schauerte.
„Die Halbtoten also. Zu so einem sind wir g'rad auf dem Weg.“
„Da kommt ihr ja zu spät, wenn ihr noch lang zu fahren habt.“
„Wir kommen nie zu spät. Der Herr sagt nur: Wart! – und der Tod wartet.“
„So? Hat dein Herr auch eine Frau?“
„Eine Frau hat er nicht, aber mehr als hundert Kinder.“
„Was du sagst?“ und wieder lachte sie hellaut auf.
Der Gegenstand dieses Gespräches war ein Greis von kräftiger Gestalt. Er trug eine Reisekappe und einen langen, auf der Brust leicht verschnürten Rock. Den untern Teil des markigen, dunkelfarbigen Gesichtes bedeckte der Bart, der, weiß und dicht wie die Haare, in zwei mächtige Strähne geteilt, fast bis zum Gürtel herabwallte. Der Alte, die Hände auf dem Rücken, stand am jenseitigen Ufer des Teiches, der sich auf eines Steinwurfs Entfernung vom Wirtshaus befand und ein lang gestrecktes Oval bildete, an dessen einem schmalen Ende knorrige, ganz schief gewachsene Weiden ihre Zweige zu seinem trüben Spiegel niedersenkten, während das andre sich sanft gegen die ansteigende Dorfstraße verflachte.
Der Teich war alles in allem: Badeort für die Jugend, Waschanstalt für die Hausfrauen, See für das schwimmtüchtige Geflügel, Schwemme für die Pferde. Am Werktagabend ging es in seiner Umgebung lebendig zu. Große und kleine Knaben, barfüßig, die Hosen übers Knie gezogen, ritten ihre Pferde ins Wasser, bewundert und beneidet von den Kindern, die am Ufer standen oder saßen, die meisten als ziemlich lässige Hüter jüngerer Geschwister. Männer und Weiber kehrten vom Felde heim, und, von weitem schon angekündigt durch die Töne eines schallenden Gesanges, kam eine Mädchenschar, Rechen und Sicheln tragend, ins Dorf gezogen.