Unter den am Teiche spielenden Kindern war eines, das die besondere Aufmerksamkeit des Fremden erregte. Ein Bürschlein von etwa sechs Jahren, mit sehr lieblichem, aber blassem Gesichtchen. Seine schlichten, blonden Haare, im Nacken lang, über der Stirn gerade geschnitten, quollen reich unter dem Mützchen hervor. Er hatte tiefliegende, blaue Augen, eine schmale, leicht gebogene Nase und einen feinen, ausdrucksvollen Mund. Nach der Beschaffenheit seines Kaftans und seiner Stiefel zu schließen, gehörte er wohlhabenden Eltern an.
In der offenen Tür eines der nächstgelegenen Häuser war ein junges, hübsches Weib mit einem Kinde auf dem Arm erschienen und rief dem Knaben zu:
„Jasiu, der Vater kommt.“
Da machte das Bübchen einen Luftsprung und lief von seinen Spielgefährten fort, dem Angekündigten entgegen. Der blieb stehen, beugte sich und lachte, als sein Junge im vollen Lauf an ihn anprallte. Er rückte ihm die verschobene Mütze zurecht, nahm seine Hand und schritt mit ihm weiter.
Es war ergötzlich, sie daher kommen zu sehen, den Bauern und das Bäuerlein, das zweite in Haltung, Gang, Gestalt und Kleidung das verkleinerte Ebenbild des ersten.
Sie näherten sich, und der Fremde bemerkte auf dem Gesicht des Bauern die entstellenden Spuren einer schweren Verwundung. Die rechte Wange war eingefallen und von Narben zerrissen, das rechte Auge geschlossen.
Auch ein Veteran der letzten Kämpfe, dachte der Greis und heftete den Blick immer aufmerksamer auf den Herankommenden. Ein märchenhaft-wunderlicher Einfall durchzuckte ihn. Plötzlich machte er ein paar rasche Schritte, stand dicht vor dem Bauern, starrte ihn an und rief:
„Ist es möglich?“
Überrascht wich jener zurück, aber nur, um schon im nächsten Augenblick auf ihn zuzustürzen.
„Sie! O Gott, Sie – Doktor Rosenzweig!“ sagte er mit einer Stimme, deren Wohllaut unvergessen in der Erinnerung des Alten gelebt hatte. Früher als dieser gewann er seine Fassung wieder: „So habe ich Sie nicht umsonst erwartet, nicht vergeblich gehofft, daß Sie auf einem Ihrer Samariterzüge den Weg durch unser Dorf nehmen würden, um –“ fügte er mit Rücksicht auf das Publikum, das sie umgab, hinzu – „Ihren Diener Hawryl zu besuchen.“