„Daß meine Neigung alles überdauert, ihren Widerstand, die immerwährende Trennung. Sie meinen, endlich wird diese Liebe doch erlöschen. Nur Zeit lassen, nur Geduld haben. Ein andrer wird kommen und das Bild des Abwesenden aus ihrem Herzen verdrängen. Da stellen sie von Zeit zu Zeit Proben an ...“
„Und Bewerber auf,“ rief ich ungemein beleidigt.
Sie aber erzählte in wenig Worten, das Schloß ihrer Eltern sei im Kriegsjahre zu einem Spitale gemacht worden. Mit andren Verwundeten wurde ‚Er‘ gebracht, sterbend, der Arzt gab ihn auf. – „Meine Mutter aber,“ sagte Madeleine, „pflegte ihn gesund. Ich bin ihr kaum mehr Dank schuldig für mein Leben, als er ihr für das seine. Das verpflichtet, Sie begreifen. Wir werden meine Eltern nie betrügen ... Er hat mir einmal die Hand geküßt, in Gegenwart meines Vaters ... Er ist einmal aus seiner Heimat nach Falaise gekommen, zwei Nächte und einen Tag gereist, um mich zu sehen, an der Seite meiner Mutter, um auf der Straße an mir vorüberzugehen und stumm zu grüßen. – Ich war krank gewesen, er hatte durch meine Freundin davon gehört ...“
„Sublim!“ spöttelte ich. „Es muß ihre Eltern rühren, sie werden endlich nachgeben.“
„Sie werden nie nachgeben und wir auch nicht.“
„In einem solchen Kampfe siegen die Überlebenden. Nach dem gewöhnlichen Lauf der Dinge also – die Jüngeren.“
Wir waren nicht mehr allein, die Reiter hatten uns eingeholt.
Madeleine sprach mit gesenkter Stimme: „Gott erhalte mir meine Eltern!“
Oben auf dem Hügel war es herrlich. Ein feuriger Glutball, stieg sie empor, die Lichtspenderin, die Urheberin alles Lebens ... Lieber Freund, die Schilderung des Sonnenaufganges wirst Du mir wohl erlassen.