Meine Meinung aber ist, daß diese beiden tun werden, wie sie sagen, und einander treu bleiben bis ans Ende. Gestern machte ich mich in denkbarst vorsichtiger Weise zu ihrem Anwalt – bei der Mutter; an den alten Chouan wollte ich erst später heran. Aber ich traf auf den unbeugsamsten Widerstand; – so einen sanften, wohlüberlegten, gegen jeden Angriff gefeiten. Welche Kraft von Fanatismus in dieser schmächtigen, blassen Frau, deren Stimme sich nie über den Konversationston erhebt, deren Lippen ohne Beben dem Glück der armen Madeleine das Todesurteil sprechen! Sie liebt ihr Kind, sie weiß, daß Arnold ein braver Mensch ist, aber zugeben, daß ihre Tochter die Frau eines Deutschen werde – o, da würde sie sich doch ebenso gern auf den Pranger stellen und öffentlich brandmarken lassen.

Das nenn ich einen gehörigen Rassenhaß!... Etwas Gräßliches wahrhaftig und Dummes obendrein, wie denn jeder Haß, der sich gegen Menschen wendet, statt gegen das Unrecht, das sie tun ... Weise ist nur die Liebe – halte mir den kühnen Übergang zugute, ich bin mir des Mangels an Folgerichtigkeit in meinem Gedankengange sehr bewußt ... Weise ist Irina, die dafür, daß sie nicht geliebt wurde, wie sie es erstrebt, Trost findet, indem sie sich lieben läßt. Weise ist Madeleine, die im Vollgefühl ihrer großartigen Empfindung eine höhere Befriedigung genießt als mancher, dessen Leben eine Kette erfolggekrönter Liebesabenteuer war.

Unweise ist Elsbeth, unweise bin ich mit meiner Selbstüberwindung, die so viel Verlogenheit in sich birgt.

Jede echte Liebe, sogar eine hoffnungslose, ist herrlich, erbärmlich und töricht, aber der Kleinmut, der verzichtet.

„Wir Frauen haben nur die Liebe,“ sagt Irina. So hat denn Elsbeth – nichts.

Arme Elsbeth!

Lebe wohl und schreibe doch einmal wieder

Deinem treuen Edmund.

VII.

Graf Edmund N. an Professor Erhard.