Ähnliches, liebster Professor, habe ich einmal getan. Ich hatte ein Bild, das jeden Kenner entzückte. Einen mir befreundeten Maler machte der Wunsch, es zu besitzen, halb verrückt. Er sann und träumte nichts andres; er meinte, es sein nennen zu dürfen, würde ihn beseligen und läutern und jede in seiner Künstlerseele noch schlummernde Kraft zur höchsten Entfaltung bringen.

Ich erwog das Glück, das ich diesem Menschen bereiten konnte, machte die bewußte Rechnung und – schenkte ihm das Bild.

O Freund, es handelte sich um eine bemalte Leinwand, die nichts davon wußte, ob der begeisterungstrunkene Blick eines Künstlers auf ihr ruhte, ob der meine es streifte mit flüchtigem Wohlgefallen.

Sie aber lebt, und, ich glaube es wenigstens, ist mir gut. Eigentümlich, daß sich meiner, je näher der Augenblick des Wiedersehens kommt, Zweifel bemächtigen, vielleicht begründete?

Nein doch, nein! – ich brauche mich nur der Nachmittage unter den Linden auf der Terrasse zu erinnern ... Ich las vor – „Faust“ von Turgenjew ... Wie sie da horchte, mit welcher Spannung, wie sie mich ansah ... Am selben Abend entstand ein Gedicht, das natürlich verbrannt wurde, und das ich vergessen habe, bis auf die eine Strophe:

Zu mir erhebt mit stummem Fragen
Dein dunkles Aug sich unbewußt,
Dieselbe tiefe Sehnsucht tragen
Wir beide in verschwiegner Brust ...

So war es. Aber freilich, zu wem hätte sie auch die Augen erheben sollen? Mein Hans, ihr Hans, ich will sagen: unser Hans schlief oder schlummerte wenigstens ...

In zwei Tagen werde ich viel mehr wissen als heute. Ich schreibe Dir gleich, noch unter dem ersten Eindruck. Was steht mir bevor?

Dein Edmund.

VIII.