Freue Dich, Du Lieber und Getreuer! ich komme für lange Zeit.
Wenn Jahre zwischen heute und dem Tage lägen, an dem ich Dir zum letzten Male schrieb, eine größere Wandlung könnte mit mir nicht vorgegangen sein; ich bin, scheint mir – klug geworden.
Als ein ganzer Geck kam ich noch am Nachmittag des 14. August in Karlstadt an. Ich hatte im natürlich reservierten Coupé Toilette gemacht und gefiel mir selbst in meinem Knickerbocker und meinem englischen, helmförmigen Hut.
Auf dem Bahnhofe wartete der Wagen aus Nowidworo, der gelbe Phaeton, den Hans nur bei großen Gelegenheiten ausrücken läßt; vorgespannt war der Jucker-Viererzug, und auf dem Bocke prangte mein dicker, schweigsamer Freund Djuro.
„Pomez Bog,“ rief ich, und er erwiderte: „Ljubim ruka.“ Sein braunes Gesicht glänzte gleich einem blankgescheuerten Kupferkessel, und er lachte mich so vergnügt an, als ob ihm das verkörperte Trinkgeld entgegenträte.
Wir flogen schon ein Weilchen dahin zwischen rebenbepflanzten Hügeln und Geländen, als er sich besann, daß er etwas an mich zu bestellen habe, und mir einen Brief in den Wagen reichte. – Von Hans. Sein gewöhnliches Riesenformat, der Inhalt drei Zeilen im Telegrammstil:
Willkommen! hochwillkommen, Du, mein Junge, Du! Erwarten Dich mit offenen Armen. Haben uns redlich nach Dir gesehnt.
Elsbeth und Hans.
Beide hatten unterschrieben.
Ich zerknüllte das Blatt und schleuderte es fort; denn es brannte wie eine Kohle in meiner geschlossenen Hand. Die Sonne brannte auch, der Himmel erstrahlte in feurigem Blau, zu eitel Fünkchen wurde der Staub, der uns umwirbelte. Am Saume der großen Ebene dunkelten die Wälder, erhoben sich die Spitzen der Okiker Gebirge.