Mit innigem Entzücken begrüßte ich sie ... Die schönsten Bilder tauchten vor mir empor, holde Träume umfingen mich.
Mein Kutscher war plötzlich aufgestanden, schwang die Peitsche und schnalzte kräftig. Ein Leiterwagen, mit türkischem Weizen beladen, wackelte vor uns her. Die kleinen, mageren Pferde krochen nur so; ihr Lenker schlief, der Länge nach ausgestreckt, auf seiner Ernte. Djuros Peitschenknall weckte ihn, er fuhr empor, wich aus, und wir sausten weiter.
Das Gefühl ist nicht zu beschreiben, das mich ergriff, als ich die Schloßmauern von Nowidworo durch die Bäume des Gartens schimmern sah und bald jedes Fenster am Mansardendache unterschied.
Die Luft schien mir dünner und reiner zu werden, mein Herz war so leicht, der letzte Zweifel abgetan. Ich mußte mich zusammennehmen, um nicht laut aufzujubeln.
Beim steinernen Kreuze, wo der Weg sich abzweigt, der zwischen Walnußbäumen gerade zum Schlosse führt, lenkte Djuro nach rechts, und wir fuhren längs des Gartenzauns dem schlanken, zinnengekrönten Türmchen an der Ecke, der sogenannten „Warte“, zu.
Dort oben hatten Hans und Elsbeth gewiß gestanden und nach mir ausgespäht, und jetzt eilen sie die Treppe hinab und zur Pforte zwischen den Pfeilern und werden gleich heraustreten ... Wenn sie zuerst kommt, dann ist's ein gutes Zeichen.
Das Zeichen stimmte wohl –
Sie kam zuerst, weiß gekleidet, im reichen Schmuck ihrer dunkeln Haare, in ihrem ganzen Liebreiz – ein wenig blaß kam sie mir vor im ersten Augenblick.
Hinter ihr breitete sich's chamoisfarbig; ein paar Arme fochten sinnlos in der Luft herum und bemächtigten sich meiner, als ich aus dem Wagen sprang. Es waren die Arme meines alten Hans, und er drückte mich an seine Brust wie ein Bär. Seine Augen standen voll Tränen, alle seine Gesichtsmuskeln zitterten.
„Elserl,“ brachte er nach vielen vergeblichen Anstrengungen endlich heraus, „umarm ihn auch – Du darfst, weil er da ist — wenn er nicht da wäre, dürftest Du nicht,“ sprach er in warnendem Tone und zwinkerte mir voll Verständnis zu.