»Bilde dir das nicht ein, der Bauer geht zu Grunde.«
»Durch eigne Schuld.«
»Nicht immer.«
Jetzt gerieth der »Professor« in hohe Erregung und sprach überstürzt mit bebender Stimme und so leise, daß man ihn kaum verstand. Es zischte und pustete aus ihm heraus wie aus einem überheizten Theekessel. Er verwünschte die Juden und die Deutschen, die Feinde und Verderber des mährischen Bauern. Der Judenwirth verleitet den Bauern zum Trinken, giebt ihm Branntwein, so viel er will, bis er Hab und Gut versetzt hat. Dann kommt der Deutsche und kauft den Bauern aus.
Den Schluß seiner Rede hatte Meisenmann geradezu an den Baron gerichtet und schien, einmal im Zuge, in immer heftigere Anklagen ausbrechen zu wollen. Aber Hagen fuhr drein:
»Sitzt schon! sitzt schon wieder auf seinem Steckenpferd. Du mußt wissen, Vogel, er ist Jungczeche und Antisemit.«
»In der Theorie, nicht in der Praxis. Sie
können überzeugt sein, Hagen, und Fräulein von Weißenberg kann überzeugt sein« ...
»Wir sind alle überzeugt,« rief der immer versöhnliche Baron dazwischen. »Sie deklamiren gegen die Juden und die Deutschen, aber Sie thun keinem etwas zu Leide.«
»Ein theoretischer Jungczeche also?« sagte Bertram. »Auch das setzt mich in Erstaunen. Wenn man einen uralten deutschen Namen führt –«