»Nun, gnädige Frau, ich bitte, thun Sie es doch.«

»Jetzt? nicht jetzt, später.«

»Warum erst später?«

Sie schwieg, aber ihre flehenden Augen fragten: Verstehst du mich denn gar nicht? »Kein Wort davon, vor meinem guten Manne,« begann sie nach einer peinlichen Pause wieder, »ich beschwöre Sie!«

Weißenberg trat ein, und Bertha bemühte sich ihn anzulächeln; der Versuch mißlang kläglich, und die der Verstellung ungewohnte Frau war auf dem Punkte, in Thränen auszubrechen. Ein Schatten überflog das runde, freundliche Gesicht Hugos. Er trat voll Theilnahme heran und keilte sich höchst liebreich, aber mit schwerer Mühe zwischen seine Gemahlin und die Seitenlehne des Kanapées ein.

Placirt wären sie, dachte Bertram, wie sie aber wieder aufstehen sollen, das weiß Gott.

»Mein Bertherl hat schon mit dir gesprochen, seh’ ich von unserem Kummer;« Hugo wies mit einer Kopfbewegung nach seinem laut schnarchenden Sohne hin. »Ach, der giebt uns was aufzulösen, der!«

»Ja,« betätigte die Baronin, »und wir haben auf Sie gewartet und gehofft, Sie werden uns rathen und helfen, ja, auch darin.«

»Du hast neulich,« sprach Weißenberg, »ein Buch über Erziehung total in den Grund gebohrt und seinem Autor, einem großen Professor, famos heimgeleuchtet. Meine Bertha und ich, wir haben gleich gesagt: Wer so versteht, daß der andere nichts versteht, der versteht selbst sehr viel.« Er ließ sich durch das betroffene: »O, Nemesis!« das Bertram ausstieß, nicht beirren: »Ja, du verstehst’s, hast recht, unsere Schulen taugen nichts. Wie ausgetauscht ist mein Bub, seitdem er in die Schule geht. Du mußt dich noch erinnern, was für ein lieber Kerl er vor vier Jahren war.«

»Gewiß. Etwas verzogen zwar schon damals, aber ein liebes Kind und voll Talent.«