»O, lieber Vogelweid, wohin denken Sie? Es fällt ihm nicht ein. Er liebt es nur, sich selbst zu verleumden. Auch eine seiner Eigenheiten,«
versicherte die Baronin. »Aber,« fragte sie in plötzlich verändertem Tone: »Wollen wir nicht jetzt in den Garten gehen?«
Ihr Gatte erklärte sich einverstanden, beide erhoben sich rasch und zu gleicher Zeit, und das kleine Kanapée folgte demselben Impulse. Der kurzen Verlegenheitspause, die dadurch entstand, machte Bertram ein Ende, indem er hinzusprang, die Hände auf die Lehne des wanderlustig gewordenen Sitzmöbels drückte und es zwang, seinen gewohnten Platz wieder einzunehmen.
VIII.
Die Pflege seines Gartens, das war die Erholung Weißenbergs, seine Liebhaberei. Er betrieb sie mit Kunst, mit Wissenschaft und mit Berücksichtigung der Mode, wenn sie nicht gegen ein Schönheitsgesetz verstieß: »Denn das giebt’s! ich glaube dran,« sagte er. »Ich lasse mich auslachen von meinem Buben und glaube an ewige Schönheitsgesetze.«
Er machte Bertram auf jede der Neuerungen aufmerksam, die er in den letzten Jahren vorgenommen hatte. Keine flachen Wiesen mehr, alle künstlich gewellt, wie sie vielleicht von Natur aus gewesen waren, bevor man sie, um den Garten anzulegen, »planirt« hatte. Anmuthige Hebungen und Senkungen, Hügel und Mulden, bewachsen mit dichtem, feinem Grase. Die Baumgruppen, nach den verschiedenen Farben des Laubes mit gutem Bedacht gepflanzt, sahen aus wie malerisch angeordnete Riesenbouquets.
»Erinnerst du dich des Perrückenstrauches, der bei den Pyramideneichen gestanden hat? Das war fad. Wir haben Blutbuchen hingestellt, kommen prächtig, machen sich besser – was meinst du?« Weißenberg mußte sich umwenden, wenn er mit Bertram sprechen wollte, und der mußte ihm die Antwort zuschreien, denn Hagen hielt ihn fortwährend zurück und brummte:
»Laß die Alten vorausgehen. Ich hab’ Dir etwas zu sagen.«
Auch du mein Sohn? Nun, wenn der Bursche mir sein Vertrauen schenkt, ist die Gelegenheit da,
auf ihn einzuwirken, wie seine Eltern wünschen, dachte Bertram, und als Hugo sich wieder umsah, machte er ihm ein Zeichen. Der Freund verstand ihn sogleich, winkte freudig zustimmend und rief: