noch wiederholen müssen! – Daß du schreibst,« er maß den Jüngling von oben bis unten, »hätte ich mir denken können. In Eurem Städtlein erscheint ein Blättchen, war einmal ehrsam, ist jetzt ein Schandblättchen, das von frechen Bübchen herausgegeben wird. Da mußt du ja Mitarbeiter sein.«

Beide waren stehen geblieben. Auf Hagens wuthverzerrtem Gesicht bildeten sich grünliche Schatten; seine Augen schwammen in unheimlich phosphorescirendem Lichte: »Bübchen! Bübchen ... Satisfaktion!« keuchte er, seine Glieder zuckten konvulsivisch, er wankte und schien im Begriffe niederzustürzen. Bertram sah schon eine Wiederholung des Auftritts voraus, den Weißenberg ihm eben geschildert hatte; er empfand einen großen Ekel vor dieser Ohnmacht, die es nicht einmal zu einem tüchtigen Zornesausbruche bringen konnte, und zugleich bereute er, den Rangen so schwer gereizt zu haben.

»Beruhige dich, Hagen,« sagte er. »Ich bin ein nervöser Mensch, den gewisse Worte, zum Beispiel: ‘Novelle,’ ‘Manuskript,’ ‘drucken lassen,’ außer Rand und Band bringen. Nun hab’ ich mich wieder im Zaume. Mache mir’s nach, Selbstbeherrschung,

mein Lieber! Wenn ich dir sage, ich bedauere, dich geärgert zu haben, ist dir das Satisfaktion genug?«

Hagen hatte sich leidlich gesammelt. Ohne den Kopf nach Bertram zu wenden, hartnäckig und steif in die Ferne blickend, brummte er: »Lies meine Novelle, dann reden wir weiter. Die Katz im Sack brauchst du nicht zu kaufen. Aber schweige, das bitte ich mir aus. Für meine Alten schreibe ich nicht. Wirst du meine Novelle lesen?«

Ein schreckliches Wesen, der Junge, aber der Sohn des Mannes, dem Bertram so viel verdankt – es sei!

»Ich werde sie lesen – in Gottes Namen. ‘In Gottes Namen, sprach sie dann, und weinend hielt er sie umfangen,’« deklamirte er und setzte bärbeißig hinzu: »Das hast du von mir nicht zu befürchten, Miseräbelchen!«

»Miseräbelchen?«

»Ich citire! Ich citire! Kennst du das schöne Gedicht vom Miseräbelchen nicht?«

»Nein,« erwiderte Hagen wegwerfend. »Ich lese keine Gedichte.«