»Ich meine, daß ich etwas wissen muß von Ihrem Herrn Verwalter, wenn ich ihn ansingen soll. Also goldene Hochzeit, sagen Sie?«

»Silberne, bitte, Herr Doktor.«

»Ganz recht, ich habe mich nur versprochen. Und allgemein beliebt ist er?«

»O, und wie, bei alle braven Leut’! Schlechte giebt freilich auch.«

»Für die schlechten dichten wir nicht, Simon. Also« – er gähnte. Wie ein Gewappneter kam der Schlaf über ihn; er begann seine Kleider abzulegen und ließ sich dabei Simons Dienste gefallen: »Und sagen Sie mir noch – ist er verheirathet?«

»Jekerle, Herr Doktor, wenn er silberne Hochzeit hat!«

»Und Kinder hat er auch?«

»Aber bitte, ja, die zwei Töchter, bitte, die aufsagen sollen.«

Sie waren während dieses Zwiegespräches aus dem Wohn- ins Schlafzimmer und bis ans Bett gelangt. Simon betreute den Gast wie eine Mutter ihre Tochter, die morgen debutiren soll, zog, als er sich auf dem köstlichen Lager ausstreckte, die Decke über ihn und löschte die Lichter. Bertram sah ihn noch die Lampe vom Tisch nehmen und hörte ihn die Thür schließen. Dann war alles dunkel und still.

Nach einer Weile lag er aber nicht mehr im Bette, sondern stand auf der Wiese, hatte grüne Arme, einen blauen Helm auf dem Kopf, einen Apfel in der Hand und war ein Rittersporn und zugleich Paris und sollte den Preis der Schönheit ertheilen. Eine Theerose, eine dicke Gretl in der Staude, und eine Wunderblume, dergleichen er nie erschaut hatte, bewarben sich darum. Er wußte wohl: die Theerose ist die Dame aus dem Coupé, und die Gretl in der Staude seine zu gnädige Hausfrau. Wer aber ist die Wunderblume? Und ist sie schön? Das wußte er nicht, er konnte sie nicht einmal deutlich sehen, so nahe sie ihm auch stand. Dennoch trat er auf sie zu und reichte ihr den Preis. Der war aber kein Apfel mehr, sondern