ein Schulbub, der sich ausreden will, das geht dir nicht an die Ehre.«

Der Kranke kehrte ihm den Rücken zu und blieb eine Weile regungslos. Bertram beugte sich über ihn und sah ihn voll Besorgniß an. Da öffnete Hagen das gesunde Auge und sprach langsam:

»Ich habe stürzen wollen. Ich habe sterben wollen. Es ist mißlungen.«

Zuerst glaubte Bertram, das sei Geflunker. Aber nein. Aus der Miene des Jünglings, aus seiner plötzlichen, ungewohnten Ruhe sprach wahrhaftige Verzweiflung.

»Um Gotteswillen, du phantasierst. Ich hoffe, du phantasierst!« Er griff hastig nach Hagens Puls.

»Ich phantasiere nicht; ich bin ganz kalt.«

Deine neueste Pose, dachte Bertram. Er schwankte zwischen Entrüstung und Schrecken: »Du hast dich tödten wollen. Herrgott im Himmel! Und deine Eltern – hast du nicht an deine Eltern gedacht?«

»Nein, nur an sie, an der ich mich rächen will, der ich einen Stachel ins Herz bohren will... Sie hat mich verschmäht – wenn du wüßtest, wie? Ich biete ihr meine Liebe und sie demüthigt mich – mich, den Sohn ihrer Wohlthäter ... beleidigt mich, ich kann es nie sagen, wie sie gewagt hat mich zu beleidigen. – O, Nietzsche, du hast Recht, du allein – die Peitsche für die stumpfsinnigen, imbecilen Weiber!«

Er wand sich, er biß in den Rock, den Bertram als Decke über ihn gebreitet hatte.

»Erstens bitte ich dich,« sagte der, »laß meinen Rock in Ruh. Er ist neu und kostet ein Heiden-, ein sauer verdientes Geld. Zweitens: von wem sprichst du? doch nicht von Fräulein Gertrud? Oder ja? – Ja so! Du willst deine Cousine heirathen?« Seine Mundwinkel umspielte etwas, das Hagen zu dem Ausruf berechtigte: