muß arbeiten, wer den ganzen Tag arbeiten soll. Bertram war zufrieden, als der alte Schnitter auf ihn zuschritt, und ihm lächelnd seine Sense aus der Hand nahm. Nun sah er zu, und es war ein völlig grandioser Anblick, wie der Greis im gleichmäßigen, weitausholenden Schwung, einen großen Halbkreis mit seinem Werkzeug beschrieb und jedesmal einen Arm voll Halme vom Boden wegrasirte, daß sie hinsanken, so bereitwillig, als ob es ihnen ein wahres Vergnügen wäre. Ihre goldenen, bärtigen Köpfchen, die eben noch zum strahlenden Blau des Himmels hinausgeschaut hatten, ruhten jetzt wohlig und sanft an der Brust der alten Mutter Erde.

XI.

Plötzlich hielt der Alte in seiner Arbeit inne, streckte den Hals und rief: »Ferd! Ferd!« Die Fohlenstute raste einher – ledig. Die Steigbügel peitschten ihre Flanken, die zerrissenen Zügel ihren Kopf. Wild gemacht durch die überflüssigen Hülfen, tollte sie wie rasend querfeldein ihrem Wohnorte

zu. In weiter Entfernung von ihr folgte ihr Exreiter; übel zugerichtet, wie sich immer deutlicher zeigte, je näher er kam. Bertram lief ihm entgegen, und ein förmliches Ringen entspann sich zwischen ihnen. Bertram wollte ihn zwingen, dazubleiben, der Junge wollte durchaus weiter rennen. Das Blut floß ihm aus der Nase in den Mund, er spuckte wie eine böse Katze, nieste, machte alle möglichen Anstrengungen, um zu sprechen, und konnte nicht. Mit Gewalt führte ihn Bertram ins Haus und zwang ihn, sich pflegen zu lassen. Im Zimmer neben der Küche stand eine mit Stroh gefüllte Bettlade, Waniek breitete einen Kotzen darüber, den er aus dem Stalle gebracht hatte, und trug, ohne einen Befehl abzuwarten und ohne ein Wort zu verlieren, einen Krug mit frischem Wasser gefüllt herbei. Der Verwundete mußte sich auf dem Lager ausstrecken. Sein und Vogels Taschentuch wurden einstweilen abwechselnd zu Umschlägen verwendet. Der alte Arbeiter kam mit dem Rocke, den der fleißige Stadtherr auf dem Felde liegen gelassen hatte, und wurde beauftragt, ins Schloß zu gehen, um Wäsche zu holen und der Baronin eine

Karte, auf die Bertram eilends einige Worte schrieb, zu überbringen.

»Wozu? wozu das? Was schreibst du ihr?« rief der Patient und wollte aufspringen. Wieder suchte Vogel ihn zu beschwichtigen. »Wenn deine Mutter erfährt, daß dein Pferd ohne Reiter nach Hause gekommen ist, erschrickt sie tödtlich. Ich habe sie über dein Befinden beruhigt. Wär’ ich’s nur selbst. Dein Auge sieht entsetzlich aus und muß dir infam weh thun.«

»Mir thut nichts weh, nichts,« polterte Hagen, »und wenn du sagst, daß ich vom Pferde gestürzt bin, bist du mein Feind. Ich bin nicht gestürzt, ich bin abgestiegen, habe das Vieh an einen Baum gebunden, da hat sich’s losgerissen.«

»Und dein geschwollenes, zerschlagenes Gesicht, und dein Auge, Hagen. Dein Auge sieht aus wie ein einziger, großer Blutstropfen. Wie kommst du dazu?«

»Eine Fliege hat mich gestochen.«

»Junge! Junge, du bist verdreht. Zugeben, ich habe mich auf ein Pferd gesetzt, das ich nicht reiten kann – welche Schande! Aber lügen wie