Bertram brachte kein Wort hervor. Er saß da mit weit aufgerissenen Augen und betrachtete den Freund, wie er den alten, bis zur Decke reichenden Schrank dort an der Wand, mit seinen armdicken, gewundenen Säulen betrachtet haben würde, wenn der sich plötzlich auf die Kanten seiner plumpen Füße gestellt und angefangen hätte, zu tanzen und zu pirouettiren.

»Du staunst,« rief Weißenberg. »Das hättest du mir nicht zugetraut. Nun – ich mir selbst

nicht. Jetzt schau nur, daß sie mir’s auch aufführen am Burgtheater ... Um den Erfolg ist mir nicht bange. Ich weiß nur nicht« – er fuhr mit der Hand etwas rathlos über seine Glatze, »ob ich mich entschließen werde, herauszukommen, wenn sie mich rufen.«

»Wir haben jedenfalls noch Zeit, darüber nachzudenken.«

»Die haben wir. Jetzt heißt’s vor allem andern: Schweigen, Schweigen wie das Grab. Du schwörst? – Gut. Begreifst ja, meine Frau, meine Kinder dürfen keine Ahnung haben, daß ich etwas so Starkes ...« Er unterbrach sich und streichelte liebevoll sein Manuskript.

»‘Don Juan am Lande’ heißt’s.«

»Am Lande. So?«

»König Lear, Hamlet, Romeo und Julia auf dem Dorfe haben wir. Jetzt kommt ein Don Juan dazu. Das ist ein Kerl!« Weißenberg schmunzelte schon beim Vorlesen des Personenverzeichnisses und schüttelte sich vor Lachen, als sein Held im ersten Auftritt drei betrogene Ehemänner durchprügelte.

Bertram bemühte sich, wenigstens die Caricatur

eines Lächelns hervorzubringen und sagte: »Was du für lustige Einfälle hast – es ist zum Weinen.« Und als der erste Aufzug schloß, ermannte er sich zu dem tiefsinnigen Ausspruch: »Das war also der erste Akt.«