Weißenberg hatte eine kleine Anwandlung von Verlegenheit: »Gieb acht, jetzt kommt der zweite.«

Vogel bog sich zurück im Fauteuil, hielt die Lehne fest und hob die Augen zur Decke, wie jemand, der entschlossen ist, eine Zahnoperation tapfer auszuhalten. Der »zweite« ging vorüber, und der Zuhörer wußte wieder nichts anderes zu sagen als:

»Das war also der zweite Akt.«

Hugo war etwas zaghaft geworden: »Nun, wie findest du’s?«

Der Kritiker kämpfte einen schweren Kampf. Sein feines, blasses Gesicht hatte einen schmerzlichen Ausdruck. Das nervöse Zucken, das seit der Abreise von Wien verschwunden war, stellte sich wieder ein.

»Wie findest du’s?« fragte Weißenberg abermals und Bertram ergriff beide Hände des Freundes, drückte sie unendlich liebevoll und sprach aus der Fülle der Überzeugung:

»Niederträchtig!«

Die großen Hände, die er mit den seinen vergeblich zu umklammern suchte, entzogen sich ihm. Das war alles. Von den Lippen des Freundes kam kein Laut. Nach einer Weile erst wagte Bertram ihn anzusehen und wandte die Augen sogleich wieder ab, der Anblick that ihm zu weh. Sein Recensentenamt mußte aber dennoch gewissenhaft ausgeübt werden.

»Dein Stück ist roh und unsittlich,« sprach er, »das Gegentheil von allem, was du selbst bist. Einen besseren Beweis dafür, daß du gar kein Talent hast, giebt es nicht. Unser Talent ist der Ausfluß unseres ureigensten Wesens, ist sein tiefster und höchster Ausdruck.«

»Talent? Lieber Gott,« murmelte Hugo eingeschüchtert. »Ich mache ja gar keinen Anspruch auf so was.«