»O, wenn du mir weniger lieb wärst, wenn ich dich weniger schätzte und verehrte, ich würde mich nicht verpflichtet fühlen, dir die Wahrheit zu sagen und damit dir und mir weh zu thun!«

Das war keine Phrase. Mit Schmerz sah

der Delinquent, daß sein Richter mehr litt als er: »Weh thun, was dir einfällt!«

»Flunkere nicht. Es thut immer weh, wenn einem eine Hoffnung zerstört wird.«

»Lächerlich – einem Ökonomen. Dem werden ganz andere Hoffnungen zerstört, und er muß sich’s gefallen lassen.«

Bertram rückte ganz nahe zu ihm heran und sprach im Tone einer Mutter, die ihr Kind ermahnt, es zugleich aber zu trösten sucht über die Ermahnung: »Das Stück ist nicht einmal ganz von dir. Du hast – Ehrlichster der Ehrlichen – du hast gestohlen – was für ein gottverfluchtes Ding ist doch die Litteratur, wozu verleitet sie! Du hast für dein Lustspiel (es paßt hinein wie ein junger Tiger in eine Bocksfamilie), eine ganze Scene aus der Macht der Finsterniß von Tolstoi gestohlen.«

Hugos mächtige Adlernase erglühte viel tiefer, als die Wangen seiner Tochter je erglühen konnten: »Merkt man das?« fragte er beschämt.

»Leider, oder sagen wir – zum Glücke! Ich freue mich, daß sich diese Sachen nicht in dir gestaltet haben; das ist kein Vergnügen, so gräßliches

zu ...« Er hielt inne und blickte dem Freunde tief in die Augen: »Du nimmst mir meine Aufrichtigkeit gewiß nicht übel?«

»Im Gegentheil, ich bin dir dankbar,« erwiderte Weißenberg ohne eine Spur von Groll, aber recht bekümmert. Er stand auf und packte mit der mechanischen Sorgfalt eines ordnungsliebenden Mannes sein Manuskript wieder in den Umschlagbogen. – Dem ist jetzt, als ob er einen lieben Todten ins Bahrtuch hüllen würde, dachte Bertram und wurde schwach: