»Richten Sie nicht, Vogelweid, helfen Sie. Ich bin in einer furchtbaren Klemme. Er bat um meine Photographie, ich schickte sie ihm mit einer Widmung .... und dann, denken Sie, nannte er mich: Erhabene Schloßfrau, angebetete Herrin.«

»Sie haben ihm gewiß auf dem schönen Briefpapier geschrieben, mit der in Gold geprägten Aufschrift:

Schloß Obositz, und der wehenden Fahne mit dem Doppelwappen.«

»Mein Gott, ja. Und nun hält er mich für eine Millionärin, spricht von den Kosten, die das Gründen einer Zeitschrift verursacht, und ich soll eine Aktie zu zehntausend Gulden nehmen. Und ich habe nur ein ganz kleines Vermögen, das Hugo verwaltet. Ich konnte das Geld nicht geben, ich mußte es gestehen. Seitdem hat Carolus den Ton geändert, er schmeichelt nicht mehr, er droht ... Womit am Ärgsten? Mit der Veröffentlichung meines Romans! Damit, behauptet er, macht er mich lächerlich vor der ganzen Welt. Er droht auch, meinem Manne meine Photographie mit jener Widmung und meine Briefe – Liebesbriefe nennt er sie – zu schicken. Das sind sie nicht, aber – o, ich bin sehr schuldig! – ich sprach von ungestillter Sehnsucht nach regerem Geistesleben, – von Seeleneinsamkeit. Ich weiß nicht, wessen Hugo fähig wäre, wenn er erführe, daß ich mich an seiner geliebten Seite seeleneinsam gefühlt habe ... Mir schaudert, und ich zittere um den Frieden meiner Ehe ... Ach, Vogelweid! und soeben brachte man

mir ein Telegramm auf Hagens Zimmer. Ich habe es noch nicht eröffnet. Eine furchtbare Ahnung sagt mir: es ist von Carolus und enthält mein Schicksal. Himmel, warum mußte ich an einen so elenden Menschen gerathen!«

»Das eben ist Ihr Glück im Unglück, beruhigen Sie sich, Baronin. Ich rette Sie, ich habe den Mann in der Hand. Einige meiner Kollegen und ich sind vor Jahren durch ihn arg geschädigt worden, und wir haben uns vor seinen Schlichen sicher gestellt. In einem gewissen eisernen Schrank bei einem gewissen Advokaten sind Beweise gegen ihn deponirt, die ihn jeden Augenblick ins Kriminal bringen können. Daran will ich ihn erinnern und die Herausgabe Ihres Eigenthums verlangen.« Er seufzte tief und schwer: »Ich will ihm schreiben.«

»O Vogelweid, wie dank’ ich Ihnen! Aber lesen Sie zuerst das Telegramm.«

Bertram öffnete das gefaltete Blatt, warf einen Blick hinein und sprang auf: »Nein,« rief er, »nicht schreiben, handeln! Da ist keine Zeit zu verlieren, er will mit dem Zwölfuhrzug kommen,

ich geh, ich reite,« steigerte er sich, »ihm entgegen, fang’ ihn auf auf der Station.«

»Kommen? Hierher?« Die große, starke Frau stammelte, erbleichte, ihre Augen wurden starr, sie rang mit einer Ohnmacht. Bertram ermahnte mit Energie: