»Und weißt du, Alleswisser, ob ich nicht auch in einer Zwangslage bin?«
»Oho, hast du etwas versprochen, dein Wort verpfändet? Gesteh! hab’ in Kuckucksnamen Vertrauen zu mir.«
»Ich hab’ nur zu viel.« Seine Stimme versagte, die Spannung, in der er sich künstlich erhalten
hatte, ließ plötzlich nach. Er weinte, er schluchzte heftig, leidenschaftlich. Sein schmächtiges Körperchen wand sich in Schmerz und in ohnmächtiger Wuth über den weibischen Ausbruch, den er verachtete und dem er nicht Einhalt thun konnte.
Bertram hätte gern Mitleid mit ihm gehabt und brachte es nicht zuwege. Ach, wenn einem jemand unsympathisch ist, wo bleibt da die Güte, die vielgerühmte, die allumfassend, unendlich, ewig gegenwärtig sein soll? Bertram war angst und bang um den Jungen, aber ein warmes Gefühl für ihn konnte er sich nicht abringen. Guter, starker Mensch, schlag’ an dein Herz, nicht einen Funken Erbarmen schlägst du heraus, wenn es ihn nicht freiwillig giebt.
»Ich bin der ärmste Teufel,« rief Hagen, »ich stehe ganz allein in der Welt. Gertrud verabscheut mich, der Vater versteht mich nicht, die Mutter zieht mir diese Gans von einer Sieglinde vor. Auf dem Gymnasium bin ich verhaßt ... Das freilich ist mir Wurst. Ich kann ohnehin ins Gymnasium nicht mehr zurück. Hier kann ich auch nicht bleiben; wohin soll ich? Aus der Welt!«
»Warum kannst du denn nicht aufs Gymnasium zurück?«
»Weil ich Schulden hab’, zum Teufel. Beim Zuckerbäcker.«
Bertram brach in Lachen aus: »Beim Zuckerbäcker? Der blasierte Decadent sitzt beim Zuckerbäcker und stopft sich mit Kuchen, der Übermensch ist eine Naschkatz! Einen Lutschbeutel hast du doch auch, der liegt vielleicht als Merkzeichen im Juvenal?«
»Lache du ... Elende Possen zu reißen, wenn dein Freund ins Unglück gerathen ist, paßt für dich.«