Kein anderes als ein Ferkeltalent natürlich. Nun, auf ein Adlertalent machst du ja keinen Anspruch.«
»Du bist beleidigend.«
»Wenn die Wahrheit beleidigt.«
»Richtig! die hast du gepachtet ... Moraltrottel!« das eine Wort murmelte er nur, dann schrie er wieder: »Bleib’ bei der Stange! Mag die Novelle sein, wie sie will, Talent verräth sie. Empfiehl mir einen Verleger.«
»Da steht er,« erwiderte Bertram und deutete auf den Ofen.
»Das würde dir in den Kram passen. Wir kennen euch, ihr doktrinären Zöpfe. Aus dem Weg die Werke der Neuen! Du irrst, wenn du glaubst, daß ich dir aufsitze. Geh zum Teufel. Ich werde meinen Weg allein machen. Ich werde mir selbst einen Verleger suchen.«
»Wirst ihn auch finden, wenn du Unglück hast. Brauchst dich nur an den Rechten zu wenden, der besorgt alles, den Widerspruch provozierenden Tadel, das aller Würde hohnsprechende Lob. Irgend eine Zeitung sagt dann wohl: Dergleichen wurde noch
nie gewagt – und der Erfolg ist da. Freilich giebt es nur eine Entschuldigung für das Jagen nach solchem Erfolg – den Hunger.«
Während er sprach, verfolgte er aufmerksam in den bewegten Zügen des Jünglings den Eindruck, den seine Worte hervorbrachten. Es ging viel vor in diesem Werdenden, und so viel Sensationen, so viele Zügel, an denen ein Mensch gefaßt werden kann.
»Hagen,« begann Bertram von neuem und jetzt in versöhnlichem Tone, »ich habe diese Entschuldigungen gehabt. Nicht etwa, daß ich schnöden Erfolgen nachgejagt wäre, aber dafür, daß ich einen Beruf ergriff, zu dem ich nicht berufen war. Die Zwangslage, in der ich mich befand, kann allein verzeihlich machen ...«