Hagen spielte den Gleichgültigen und den Höhnischen, aber die Kniee zitterten ihm. »Hast du wirklich die Gnade gehabt?«

»Die Gnade, ganz richtig. Wie du weißt, bin ich nicht hierher gekommen, um mich mit dem Lesen dilettantischen Pfuschwerkes zu beschäftigen, sondern um mich vom Lesen zu erholen und von der Litteratur überhaupt. – Saubere Erholung ..« Er hielt inne, er würgte tapfer die Klagen hinunter, die sich ihm auf die Zunge drängten. »Genug davon. Trotzdem hab’ ich, wie gesagt, deine Novelle gelesen.«

»Großartig! Nicht zu glauben! Und was meint der patentierte Kritiker? Hab’ ich Talent?«

»Vielleicht ja, möglicherweise hast du Talent.«

Ein häßliches, rechthaberisches Lächeln verzog die blutlosen Lippen Hagens. »Wie mühsam er das herausquetscht! Einen Jungen loben, thut ihnen gar zu weh, den Alten. Kann dir nicht helfen ... Ich hab’ Talent, und weiß es, und wollte dich nur zwingen, es zuzugeben.«

»Und dann? was weiter? Talente laufen zu Hunderten auf der Gasse herum. Pferde, Hunde, Ferkel haben Talent. Talent, mein Lieber, ist viel und – nichts. Was du daraus machst, und was dieses ‘Du’ für ein Ding ist, darauf kommt’s an! Zuerst mache du dich, dann wirst du vielleicht etwas machen aus deinem Talent.«

»Ist mir zu hoch, die Weisheit.«

»Streck’ dich! am Ende langt’s.«

»Wenn man eine gute Novelle geschrieben hat.«

»Wer spricht von einer guten Novelle? Die deine ist elend, als Vorwurf, als Komposition, Charakterzeichnung, Stilprobe. Man muß scharf hinsehen, um eine Spur von Talent darin zu entdecken.