»Ist dir’s endlich gefällig?«
Er saß mit verbundenem Kopfe in einem großen Lehnstuhl unter der grell leuchtenden Hängelampe und sah elend aus. Auf einem Tische neben ihm waren die neuesten Werke der modernsten nordländischen, französischen und deutschen Unsittenschilderer recht zur Schau ausgelegt. In einer Hand hielt der Jüngling Juvenals Satiren, in der andern einen Rothstift.
Das Zimmer befand sich in greulicher, in gewollter Unordnung. Die Möbel und einen Theil des Fußbodens bedeckten Bücher, Schriften, Cigarrenkistchen, Waffen, Fecht- und Turngeräthe; an den Wänden hingen, mit Nägeln befestigt, schamlose Photographien. Auf einem Schranke neben der Thür lag eine Pistole; der Hahn war gespannt, das Zündhütchen aufgesetzt.
Komödiant! dachte Bertram und sprach mit eisigem Spotte: »Ich muß dir doch den Gefallen thun, dir zu betätigen, daß ich dich gefunden habe, im Juvenal lesend. Das Grellste hast du wohl mit Strichen versehen, damit niemand zweifeln könne, daß du’s verstanden hast. Mir freilich wäre nie ein Zweifel gekommen, bei den Erfahrungen, die du schon gemacht haben mußt, im Kaffeehaus oder in der Zuckerbäckerei.«
Bei dem letzten Worte fuhr Hagen zusammen, Zorn und Schrecken verzerrten sein Gesicht.
»Verzeih’, wenn ich dich ärgere, ich sollte dir dankbar sein, weil du dir so viele Mühe gegeben hast, mir zu Ehren dein Zimmer zu dekorieren.«
»Dir zu Ehren, ja just, was der sich einbildet!«
Bertram deutete auf die Bilder an der Wand: »Die wirst du doch nicht da lassen, wenn du deine Mutter erwartest, oder ...«
Hagen hielt sich mit beiden Händen die Ohren zu: »Gieb deiner Beredsamkeit Urlaub, ich frage nicht nach deinen Moraltrotteleien, ich frage ...«
»Hast du meine Novelle gelesen?« unterbrach ihn nun Bertram seinerseits. »Ja, denn, ich habe sie gelesen, leider.« Er rückte einen Sessel an den Tisch und setzte sich.