Als man sich am Abend trennte, nahm Bertram Abschied von seinen Wirthen für den ganzen morgigen Tag, den er in Vogelhaus zubringen wollte. Lieber auch räumlich von der Unerreichbaren getrennt sein, als in ihrer Nähe schmerzvoll hangen und bangen. Er ging allein seinen Zimmern zu; der Freund, der ihn sonst geleitete, die Dienerschaft, die heute bis zum Morgen gewacht, hatten

sich früher als gewöhnlich zur Ruhe begeben. Die Lampen waren gelöscht, vor der Mondesscheibe lagerte eine langgestreckte Wolke, ein träumerisches Halbdunkel herrschte, eine schöne Stille, Balsam für den geräuschesmüden Stadtbewohner. Jeder Blick durch die hohen Fenster des Ganges in den Garten bot Erhebung, wirkte sanft und beschwichtigend. Leise wie ein angefachtes Fünkchen begann die erloschene Hoffnung wieder zu glimmen. Quälst du dich nicht mit Hirngespinnsten, du Narr? fragte er sich. Waren die Worte, die dich unglücklich machen, auf dich gemünzt, oder beziehst du sie nur auf dich, krankhaft empfindlicher Thor? Muß der Graf an mich gedacht haben, als er sagte: Ich glaube nicht? Er dachte vielleicht an:

»Meisenmann!« rief Bertram wonnig mit wahrem Entdeckerjubel aus. Zu seinem Schrecken antwortete eine Stimme aus der Tiefe des Querganges:

»Ich bin’s, bitte.« Simon trat hervor. Der junge Herr Baron schickte ihn, er ließ den Herrn Doktor bitten, zu ihm zu kommen.

»Jetzt? jetzt gehe ich schlafen, und Hagen

soll auch schlafen gehen. Sagen Sie ihm das von mir.«

»Er schläft aber nicht, er schreibt und liest die ganze Nacht.«

»In dem Zustand, mit dem Auge?«

»Ach Gott ja! ’s is schaudriös. Gehen Sie zu ihm, bitte, auf den Herrn Doktor wird er hören, auf uns hört er nicht, auf mich und den Meisenmann.«

»Ein schrecklicher Kerl, ein Tyrann,« murmelte Bertram, folgte dem Alten widerwillig und trat verdrießlich bei Hagen ein, der ihn verdrießlich empfing und anbrummte: