auch der kann nur einem siedenden Gehirn entsteigen.«
»Na, na,« sagte Weißenberg. »Ich bitte dich, hör’ auf. Du sprichst dich sonst in einen Anfall von Nervosität hinein.«
»Er ist vorüber. Ich wollte dir nur erklären –«
»Brauchst nicht. Wenn man auch nur einen Don Juan u. s. w. vor der Ankunft eines gewissen Jemand fertig bringen wollte, kann man sich schon einen Begriff machen ... aber ich sag’ dir doch ... es giebt Ärgeres.«
»Du sagst mir?« – Mit Entrüstung hatte er’s hervorgestoßen und – schämte sich ihrer sofort, denn der Freund sprach:
»Was wird aus meinem Hagen werden?« – Plötzlich, mit einem schmerzlich gepreßten Laut entrang es sich seiner Brust. Man sah es wohl, das war seine Lebenspein. Wie selten er sie aussprach, sie quälte ihn immer.
»Ich will dir einen Vorschlag machen,« erwiderte Bertram. »Gieb mir den Jüngling mit nach Wien.«
»Nach Wien? Dort geht er vielleicht ganz zu Grunde.«
»Hier aber gewiß, in seiner Ausnahmsstellung auf dem Gymnasium eurer kleinen Stadt. Die einen hofiren ihm aus Interesse, die anderen feinden ihn an aus Neid oder Vorurtheil – lauter Gift. Schmeichelei oder Verfolgung – seine Eitelkeit wird durch beide genährt.«
Nun sprach er von einem gemeinsamen Freunde aus früherer Zeit, einem gewiegten Pädagogen, mit dem er in Verbindung geblieben: »Dem möcht’ ich Hagen anvertraut sehen, das ist der rechte Mann! Der würde ihn im Zügel halten, ohne ihn je die Abhängigkeit unnöthig fühlen zu lassen.«