»Ich bin auch ein glücklicher Mensch,« und Bertram sagte:

»Es wäre höchste Zeit für mich, glücklich zu werden.«

»Meine Frau ist eine Frau allerersten Ranges,« begann Hugo von neuem, und Bertram erwiderte mit plötzlicher Heftigkeit:

»Und wenn ich nicht auch eine Frau allerersten Ranges bekomme, wenn deine Nichte mich verschmäht, bin ich ein ärmerer Teufel, als ich je war. ‘Wer die Schönheit hat gesehen mit Augen’« ..

Weißenberg verschränkte die Hände über dem Magen und sprach: »Ob ich’s nicht vorausgesehen habe! Ich hätte sie wegschicken sollen. Hab’ mir noch gedacht, schick’ sie weg.«

»Das konntest du dir denken? Du wußtest, er muß sie lieben und hättest sie aus dem Wege räumen mögen? Du hättest mir das anthun können? Du, du!« Er schüttelte den Kopf wie einer, der die bitterste, die schmerzlichste Enttäuschung erlebt hat.

Weißenberg drückte sich in die Ecke des Wagens und sah ihn von der Seite an: »Wenn du sie nicht gesehen hättest, würdest du sie schwerlich geliebt haben, mein ich.« Und jetzt fiel er aus dem Ton des weichen Vorwurfs in den der Anklage; »Du bist unrettbar verliebt. So unvernünftig redet ein sonst Vernünftiger nur, wenn er unrettbar verliebt ist.«

»Und wenn ich’s bin?«

»Und wenn sie’s wird und dich nimmt – du bist nicht reich, und sie bekommt von uns nur ein ganz kleines Heirathgut – dann hast du dich sehr geirrt, wenn du auf ein sorgenfreies Leben in deinem Vogelhaus gehofft hast. Dann geht die Müh’ und Plag’ erst recht an.«

»Frevle nicht! Sprich nicht von Müh’ und Plage – du kennst sie nicht. Mensch, der immer hat, was man nicht zu schätzen weiß, wenn man’s nicht hat – Zeit. Was schiert mich Müh’ und Plage, wenn ich Zeit hab’, mich zu mühen und zu plagen? Es giebt nur eine Qual: Mehr Arbeit als Fähigkeit sie zu bewältigen, innerhalb einer unverrückbaren, eisernen Frist. Und was für Arbeit – nicht gebenedeite Feldarbeit unter Gottes freiem Himmel, bei der die Brust weit, das Auge hell wird und die Kräfte wachsen – wie ich sie jetzt schon wachsen fühle in diesen meinen Armen!« Er hob sie hoch empor. »Nein, Gedankenarbeit, ein Aufwerfen schillernder Blasen, in denen fremde Gedanken sich spiegeln, mehr ist’s nicht. Mein ganzes, sogenanntes Schaffen Rauch und Dunst, aber auch der, lieber Freund,