»Dort ist Platz genug,« versetzte Brand. Und wieder die entsetzliche Gebärde. »Frau von Müller kann jeden Augenblick nach Hause kommen, und ich will ihr das Mißvergnügen, Ihnen zu begegnen, ersparen. Deshalb gehen Sie nicht über die Stiege, sondern springen aus dem Fenster, wenn Sie es
nicht vorziehen, hinaus geworfen zu werden. Sie nehmen auch Ihr Eintrittsgeld mit ...« Er hielt ihm die Banknote hin, die Eduard in rathloser Bestürzung einsteckte. »Wenn ich bedenke, daß Sie sich erfrecht haben, Eintrittsgeld zu zahlen ...«
»Herr Rittmeister, Sie verkennen meine Absichten, ich versichere Ihnen auf Ehre ...«
»Reden Sie nicht von Ehre!« rief Brand. »Ich habe auch Nerven, ich kann manche Worte von manchen Leuten nicht aussprechen hören. – Springen Sie!« Wieder streckte er den Arm aus, und Eduard überlief’s.
Was thun? Sich mit dem Fürchterlichen in einen Ringkampf einlassen – der wahnsinnige Gedanke kam ihm, doch verwarf er ihn sogleich und stotterte: »Es giebt eine Polizei –«
»Nicht in der Nähe. Wenn Sie rufen, kommt höchstens die Hausmeisterin.«
»Die nicht! die nicht!« Vor der graute ihm offenbar – was mochte es gegeben haben zwischen ihr und ihm?
Helle Tropfen perlten auf seiner Stirn. Er näherte sich dem Fenster. Ein Blick, den er in
den Garten hinabwarf, beruhigte ihn einigermaßen; es war ein geringes Wagniß, das von ihm gefordert wurde. Nur eine abscheuliche Verletzung der Eitelkeit, niederträchtig beschämend. Aber da kam Hülfe in der Noth, da hatte er einen rettenden Einfall. Der Spieß ließ sich umdrehen und dem Beschützer Sophiens ins väterliche Herz stoßen.
»Wenn ich’s thu’, thu’ ich’s, weil ich’s will, weil’s mir einen Jux macht,« sprach er munter, »weil’s flott ist, weil’s fesch ist. Mich braucht’s nicht zu tangiren, wenn man mich aus dem Schlafzimmerfenster der Frau von Müller springen sieht.«