»Nein, das könnt’ ich nicht,« rief Dietrich plötzlich aus. Sie lachte:

»Das glaub’ ich, daß Sie das nicht können.«

Er hatte aber etwas ganz Anderes gemeint. Er hatte gemeint: Ich könnte einen Menschen, der mich liebt, der blutig bereut, mich nicht schon einst geliebt zu haben wie jetzt, dem sein ganzes Leben und Alles, was er hat, erst dann etwas werth würde, wenn er es mir darbringen dürfte,

nicht so neben mir sitzen lassen, ohne ihm ein Zeichen der Theilnahme zu geben.

Die Kinder waren zurückgekehrt. Man hörte sie in der Küche laut und eifrig sprechen; Annerl lief herein und mit ausgebreiteten Armen auf die Mutter zu:

»Wir sind gefahren, so weit, so geschwind, in einem zugemachten Wagen. Und Fräulein Julie sagt, wenn wir andere Kleider haben werden, werden wir in einem offenen Wagen fahren. Und jetzt sind wir wieder da.«

Georg folgte der Schwester bald nach. Sein melancholisches Gesichtchen war freudig belebt, aber der ihm ungewohnte Ausdruck erlosch plötzlich, er richtete die dunkeln Augen finster auf Brand, zögerte einen Augenblick und kehrte auf der Schwelle wieder um.

»Sehen Sie nun,« sprach Sophie, »so ist er. Daß er nicht Alles findet, wie er sich’s wahrscheinlich vorher ausgemalt hat; daß Sie da sind, daß Annerl ihm zuvorgekommen ist mit ihrer Begrüßung, macht ihn unglücklich, verdirbt ihm die Laune für den Rest des Tages. Ein anderes Kind würde man strafen.

Ich hab’ es ja auch bei ihm mit Strenge versucht, aber immer bereut. Er leidet zu viel darunter, die Strafe steht außer Verhältniß zu dem Vergehen.«

Sie hatte die Kleine auf ihren Schoß gehoben, und das Kind umschlang den Hals der Mutter mit beiden Ärmchen und war glückselig.