Seine Adern klopften, eisige Schauer schüttelten ihn, und im Nacken fühlte er sich gepackt von einer Riesenfaust, die ihm den Kopf zusammenpreßte.
Teufel, Teufel, was soll das heißen? In der vorigen Nacht schon wollten ähnliche Sinnestäuschungen ihn narren; aber er hatte sich ihrer erwehrt, war aufgestanden wie gewöhnlich, und wie gewöhnlich in die Berggasse gegangen.
Allerdings hatte der Doktor, den er dort traf, ihm auf die Schulter getippt und gesagt:
»Es giebt heute einen glühend heißen Tag, fahren Sie zeitig nach Hause, Herr Rittmeister, Sie haben Fieber.«
Fieber? In seinem ganzen Leben hatte Dietrich nie Fieber gehabt, außer damals nach seiner Verwundung. Fieber! Wenn man wissen will, ob Jemand Fieber hat, greift man ihm an den Puls. Sich aber hinstellen vor ihn, ihm nur einen Blick zuwerfen und gleich wissen: Der fiebert – das kann
man auch dann kaum, wenn man Seheraugen hat wie dieser Doktor.
Dietrich stand leise auf – ihm war, als zöge er an jedem Fuße einen Centner mit – und sah nach der Uhr. Bald Zwei; die Stunde, zu der Pauline kommen sollte, um die Gebieterin am Krankenbette abzulösen. Als Brand zu seinem Platze zurückkehrte, war Sophie eben erwacht.
»Um Gotteswillen, wie viel Uhr?... Das Medikament ... Ich habe versäumt ...«
»Nichts, nichts,« beruhigte Brand. »Sehen Sie, da ist Pauline. Verlassen Sie sich nur auf uns Zwei.«
Die erschöpfte Frau gab seinen und den Bitten ihrer Dienerin nach und ging in ihr Zimmer, um noch ein paar Stunden zu ruhen vor der Ankunft des Arztes.